Schneegans stellt jährlich zwei Millionen Kellen her

Made in Kassel: Maurerkellen für die Welt

Qualitätskontrolle: Ramona Most begutachtet eine große Fliesenlegerkelle. Sie muss absolut gerade sein. Diese hat einen blauen Holzgriff. Andere Kunden bevorzugen Kunststoffgriffe. Fotos: Fischer

Kaufungen/Kassel. Spargel-Ernter benutzen die schuhkartongroße Glättekelle aus Kaufunger Produktion, um die leckeren Stangen zu stechen und anschließend den Erddamm zu ebnen.

In Cuxhaven trennen Mitarbeiter der Fischfabriken mit der filigranen Katzenzunge kleine von großen Fischen. Beim Bau von Kreuzfahrtschiffen auf der Meyer-Werft in Papenburg bedient man sich der Edelstahlwerkzeuge zum Isolieren der Maschinenräume, und auch manch Gärtner greift gern auf die Produkte der Schneegans GmbH & Co. KG zurück. „Unsere Kellen werden ständig missbraucht“, sagt Geschäftsführer Henrik Müller scherzhaft.

Der branchenfremde Einsatz des Werkzeugs ist aber eher die Ausnahme. Tatsächlich werden die Maurer- und Glättekellen in ihren 1500 Varianten weltweit auf Baustellen benutzt. Zwei Millionen Exemplare sowie eine halbe Mio. Sonderartikel verlassen jährlich das kleine Werk im Ortsteil Papierfabrik. Sie gehen an Werkzeughändler in 40 Ländern auf fünf Kontinenten – darunter Exoten wie Trinidad und Tobago, Guatemala, Mauritius, Oman, Australien.

Aus Stahlbändern unterschiedlicher Stärke und Breite, die als tonnenschwere Rollen angeliefert werden, werden die Blätter gestanzt und gerichtet. Nach deren Entgratung werden die zugelieferten Griffe aus Stahl, Holz und Kunststoff in speziellen Anlagen in Sekundenbruchteilen vollautomatisch angeschweißt. Allerdings nur bei Großserien. Kleine Chargen oder Sonderwerkzeuge werden halbautomatisch oder in Handarbeit gefertigt. Zum Schluss wird alles bedruckt und etikettiert.

Henrik Müller

Mit einem Jahresumsatz von drei Mio. Euro und einem Europa-Marktanteil von 50 Prozent gehört Schneegans nach Angaben Müllers auch weltweit zu den großen Anbietern. Grund für den Erfolg des kleinen Kaufunger Unternehmens mit seinen 15 Beschäftigten seien gleichbleibende Qualität, Liefertreue, Verlässlichkeit und Schnelligkeit. „Bei uns weiß der Kunde, was und dass er es zum vereinbarten Zeitpunkt bekommt“, sagt der Geschäftsführer.

Hinzu komme die Innovationsfreude. Mit immer neuen Produkten schafft es der Erfinder der rostfreien Kelle, dem Wettbewerb ein Schnippchen zu schlagen. Beispiel: Eine Glättekelle mit verstellbarem Griff, mit dem Fliesenleger, die acht Stunden und länger am Tag arbeiten, schmerzhaften Sehnenscheidenentzündungen vorbeugen.

Kelle ist nicht gleich Kelle. Form und Größe variieren regional stark. So gibt es Berliner, Berner, Tiroler, Hamburger und bayerische Kellen, Maurer-, Gips- und Spachtelkellen, gezahnte und ungezahnte, solche in Herzform, Stecher-, Spitz- und Streukellen und, und, und. „Jeder will sie anders haben, und von uns bekommt er sie“, sagt Müller.

Hintergrund: Unternehmen 1972 gegründet

Gegründet wurde das Unternehmen 1972 von den Eheleuten Schneegans, die 18 Jahre später ausschieden. Heute gehört es dem Geschäftsführer und einem Partner, der zugleich Lieferant und Kunde von Schneegans ist. Müller leitet die Firma seit 1997.

Das Unternehmen verarbeitet jährlich 400 Tonnen Stahl. Hinzu kommen 500 Kubikmeter Holz und 150 Kubikmeter Kunststoffgranulat in der Grifffertigung der drei Zulieferbetriebe. Dort werden insgesamt nochmals 15 Mitarbeiter in der Kellen-Produktion beschäftigt.

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