Sie stellten Scheinrechnungen aus

Männer betrogen Dutzende Autokäufer um Ersparnisse

Kassel. Weil sie Dutzende von gutgläubigen Autokäufern um ihre Ersparnisse betrogen haben sollen, stehen seit Montag zwei 49 und 52 Jahre alte Männer aus dem Werra-Meißner-Kreis vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes Kassel.

In einem der größten Betrugsprozesse in Nordhessen der letzten Jahre müssen sich die beiden Männer dafür verantworten, etwa ab 2004 bis 2009 von Waldkappel aus ein äußerst raffiniert geflochtenes Netz aus Lug und Trug geknüpft zu haben, in dem die Käufer Hunderttausende Euro verloren.

Einen edlen Audi oder VW für 70 Prozent des Listenpreises? Da konnte manch einer nicht Nein sagen und bestellte beim 52-jährigen Angeklagten, der die Kaufsumme gern in bar entgegennahm. Der wiederum finanzierte den Kauf bei der Volkswagen- oder Audi-Bank und gab als Darlehensnehmer einen anderen gutgläubigen Autokäufer an.

Das lief laut Anklage ab August 2004 in 32 Fällen so, dann kaufte auch der heute 49-jährige Mitangeklagte beim Kopf der kriminellen Konstruktion ein Auto – und war von dessen „Geschäftsidee“ begeistert. Künftig ging man zu zweit ans Werk. Das Ganze funktionierte offenbar in einer Art Schneeball-System, bei dem die Kredite früherer Geschäfte mit dem Geld von Neukunden finanziert wurden.

Irgendwann taten sich unüberbrückbare Finanzierungslücken auf. Dann wurden von Bekannten Privatdarlehen mit Zinsversprechen von 24 Prozent aufgenommen. Nach wenigen Monaten wurden die vereinbarten Zahlungen an die Geldgeber nicht mehr geleistet, meist bekamen sie keinen Cent zurück. Die versprochenen Fahrzeugbriefe sahen die Käufer nie, viele nicht einmal ihren bereits bezahlten Wagen. Bei anderen wurden die Autos von den Banken konfisziert, nachdem die Kreditraten nicht mehr bezahlt wurden. Etwa 60 der Betrogenen haben laut Staatsanwaltschaft Strafanzeige gestellt.

Der Umfang des zweiten Anklage-Komplexes ist noch umfangreicher: Der 52-jährige Angeklagte war etwa seit 1990 in der Niederlassung Hessisch Lichtenau eines Großunternehmens aus Fulda beschäftigt, wo er zuletzt eine leitende Funktion ausübte.

Zu seinen Aufgaben gehörten auch die Sanierung von Gebäuden und die Vorbereitungen für den Bau einer Niederlassung in China. Zwischen etwa 2002 bis 2007 soll der Angeklagte bei diversen Handwerksunternehmen Scheinrechnungen für nie erbrachte Handwerksleistungen im Wert von rund zwei Millionen Euro initiiert haben. Das Fuldaer Unternehmen bezahlte, die Handwerker zogen ihren Anteil von jeweils etwa zehn Prozent ab und zahlten den Rest des Geldes in bar an den heute 49-Jährigen aus.

30 Handwerker, die bei der Betrugsmasche mitwirkten, sind inzwischen rechtskräftig zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Dutzende Straftaten sind aber verjährt und daher im neuen Verfahren nicht angeklagt.

Rubriklistenbild: © dpa

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