29-jähriger Kasseler steht wegen Messerattacke auf Bistro-Betreiber vor Landgericht

Finger abgeschnitten - Aber Beleidigung der Mutter war schlimmer

Kassel. Weil er einem Bistro-Besitzer bei einer Messerattacke den Zeigefinger fast komplett abgetrennt hat, steht ein 29-jähriger Kasseler vor dem Landgericht.

Wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung hatte das Amtsgericht den Mann im Juni zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Sein 26-jähriger Kumpan erhielt eine einjährige Bewährungsstrafe. Gegen die Urteile hatten beide Berufung eingelegt.

Wegen eines anderen Deliktes sitzt der Haupttäter seit zweieinhalb Jahren in der JVA Kassel in Untersuchungshaft. Der bullige Mann mit der mächtigen Armmuskulatur wirkt wie aufgepumpt in seinem schwarzen Hemd, der akkurat gestutzte lange Vollbart und der kahl geschorene Kopf lassen ahnen, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen ist. Sein Mitangeklagter wirkt daneben geradezu knabenhaft.

Was die beiden in Kassel geborenen Türken vor drei Jahren - im November 2012 -  in dem Bistro an der Holländischen Straße veranstalteten, ist auf einem Video zu besichtigen. Der Ältere hatte erfahren, dass der damals 57-jährige Bistro-Chef den Betrieb verkaufen wollte. Beim Verkaufsgespräch forderte der gleichfalls türkische Gastwirt 10.000 Euro, der Angeklagte wollte nur 6000 Euro zahlen. Es kam zum Streit.

Taschenmesser gezückt

Auf dem im Gerichtssaal gezeigten, tonlosen Video ist zu sehen, wie beide Angeklagte aufspringen. Der Muskelmann zieht ein extrem scharfes Taschenmesser aus der Jacke. Zu erkennen ist, wie er den Wirt gegen die Wand drückt, später stürmt er zur Tür, reckt drohend die Faust Richtung Kamera und verschwindet.

Der Bistro-Chef läuft mit stark blutender Wunde durchs Bild, ein Schnitt über die Handoberfläche hat die Sehnen mehrerer Finger durchtrennt, der Zeigefinger hängt nur noch an etwas Haut. Viereinhalb Stunden brauchen die Ärzte im Krankenhaus, um wieder alles zusammenzunähen. Vor Gericht schildert er die monatelange Reha. „Jeden Tag, wenn ich etwas greife, denke ich an das, was er mir angetan hat“, sagt der 60-Jährige.

„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen und beleidigen“, nuschelt der Angeklagte mit gesenktem Kopf und leiser Stimme. Der Zeuge nickt, aber die schlimme Beleidigung seiner 95-jährigen Mutter durch den Angeklagten könne er nie vergessen, nie verzeihen.

Wie es zu der Schnittverletzung kam, kann sich der im November 2012 noch nicht vorbestrafte Angeklagte nicht erklären. Er habe damals jeden Tag mehrere Gramm Kokain und Hormone konsumiert. Er sei völlig außer sich gewesen. Das Taschenmesser mit der zehn Zentimeter langen Klinge habe er beim Finanzamt in die Fulda geworfen. Im mit Verwandten und Freunden der Angeklagten gut gefüllten Gerichtssaal sollen insgesamt neun Zeugen gehört werden.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt, mit dem Urteil wird am 17. Dezember gerechnet. Beginn ist jeweils um 9 Uhr im Saal 218.

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