Informatiker bringen Dienstleister und Kunden über den Computer zusammen

Marktplatz für Helfer

Philipp Menschner

Kassel. Wer allein auf sich gestellt ist, kann schnell in eine Notlage geraten, in der er Hilfe braucht: Ein Hausbesitzer erleidet im Winter einen Bandscheibenvorfall und benötigt sofort jemanden, der den Schnee vom Grundstück räumt. Auch eine Putzfrau wäre gut und ein Helfer, der Lebensmittel einkauft. Doch wo die passenden Angebote schnell und einfach finden?

Darauf gibt der soziale Marktplatz „Bring dich ein“ Antworten, der in Bayern zu einem Feldtest gestartet ist. Kasseler Wissenschaftler des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik haben die Internetplattform www.bring-dich-ein.de maßgeblich mitentwickelt. Sie bringt Angebot und Nachfrage des Dienstleistungssektors zusammen. Es geht zunächst um den freiwilligen Austausch von Hilfsdiensten, beispielsweise Schneeschieben gegen Hausaufgabenbetreuung. „Wir sehen, dass das schon funktioniert. Später sollen noch professionelle Anbieter hinzukommen“, sagt Philipp Menschner.

Der Doktorand macht mit weiteren Wissenschaftlern des von Professor Dr. Jan Marco Leimeister geleiteten Fachgebiets Wirtschaftsinformatik die Möglichkeiten der Informationstechnologie für neue Dienstleistungskonzepte nutzbar. „Das ist ein großer Wachstumsmarkt“, sagt Leimeister. Dafür spricht, dass die Bevölkerung älter wird, Angehörige oft weit weg wohnen und Nachbarschaftshilfe oder verwandtschaftliche Dienste auf dem Rückzug sind. Mit mobilen Anwendungen wollen die Kasseler Wissenschaftler ehrenamtlichen wie professionellen Dienstleistern ermöglichen, passgenaue und preisgünstige Dienstleistungen anzubieten. „Viele wissen gar nicht, welche verschiedenen Dienstleistungen es überhaupt gibt“, sagt Menschner. Andererseits sei vielen Anbietern nicht klar, welche Wünsche ihre Kunden im Detail haben.

Beispiel Ernährungsberatung

Doch es geht den Kasseler Wissenschaftlern auch um Effizienz bei vorhandenen Angeboten. Das sei gerade bei regelmäßigen und zeitaufwendigen persönlichen Dienstleistungen eine Herausforderung, sagt Menschner.

Dazu zähle die Ernährungsberatung, für die die Kasseler ein Programm entwickelt haben. Die Beratung erfordere bisher noch viele Gespräche und Kontrolltermine. Menschner baut mit seinen Kollegen den Prototyp einer Software, über die der Patient die wichtigsten Informationen mit dem Ernährungsberater per Tablet-Rechner oder Smartphone austauschen kann.

So spare der Berater viel Zeit, sagt Menschner. Der Preis für diese Dienstleistung, die nur in Ausnahmefällen von den Kassen bezahlt wird, könne deutlich sinken. „Der Ernährungsberater bekommt einen ganz anderen Draht zu seinem Kunden und hat es deutlich einfacher, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Menschner. Foto: Dilling

Von Peter Dilling

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