Für den Ernstfall: Mediziner simulierten Eingriffe im Ausbildungs-Truck

Üben für den Ernstfall: Ein Team aus Ärzten und OP-Personal simulierte im Truck der Firma Arthrex eine Operation mit menschlichen Präparaten. So werden vor allem neue Behandlungsmethoden getestet, so der Kasseler Unfallchirurg Dr. Andreas Nickel (links). Fotos: Hedler

Kassel. Ein großer Lastwagen stand  im Innenhof des Diakonissen-Krankenhauses im Vorderen Westen. Passanten würde er wahrscheinlich kaum auffallen.

Stutzig wird man erst, wenn gelegentlich Mediziner mit blauen OP-Kitteln die wenigen Stufen von der Ladefläche herabsteigen.

Im Truck der Firma Arthrex aus München werden Operationen simuliert. Unter anderem Schulterknochen und Kreuzbänder werden zu Übungszwecken geflickt.

„Gerade für angehende Mediziner sind diese Operationen an menschlichen Präparaten die beste Übung“, erklärt der Kasseler Unfallchirurg Dr. Andreas Nickel, der zusammen mit seinem Kollegen Dr. Matthias Buch an der Fortbildung teilnimmt.

Im grellen Neonlicht steht er im Inneren des Lastwagens und schaut konzentriert auf den Bildschirm an der Wand. Zusammen mit Mediziner Jörn Müller aus Fritzlar macht er gerade eine Schulter-Athroskopie. Das heißt, dass mit einem speziellen Werkzeug, in das eine kleine Kamera integriert ist, ein Blick in das Innere des Gelenks geworfen wird. Die Bilder sind dann auf einem Monitor zu sehen, der oberhalb an den Wänden des Lastwagens angebracht ist.

„Wir haben zuerst einen Defekt in dem Gelenk erzeugt, den es jetzt zu behandeln gilt“, erklärt Nickel. Der Mediziner trägt einen blauen Kittel, Plastiküberzüge über seinen Schuhen und Handschuhe. Im Truck werde genauso steril gearbeitet wie im richtigen Operationssaal. „Der einzige Unterschied ist, dass es hier auch mal schiefgehen darf“, sagt Nickel.

Fortbildung ist wichtig

Die simulierten Knie- und Schulteroperationen zählen am Diakonissen-Krankenhaus zu den Routine-Operationen und werden mehrmals in der Woche gemacht, so Nickel. Trotzdem sei es wichtig, dass man sich in dem Bereich fortbilde, da auch die Operationswerkzeuge ständig weiterentwickelt würden und das kann man hier gut ausprobieren.

„Wir sind mit unseren Fortbildungs-Trucks deutschlandweit unterwegs“, sagt Bianca Dreysel von der Firma Arthrex. Zum einen würden angehende Ärzte hier Behandlungen erlernen, aber auch für erfahrene Mediziner sei es eine Möglichkeit, neue Operationstechniken auszuprobieren.

In Deutschland sei es so, dass Patienten zustimmen müssen, dass ihre Gliedmaßen nach ihrem Tod zu Forschungszwecken verwendet werden können, erklärt Dreysel. Die Präparate würden von einer speziellen Firma angeliefert und auch im Anschluss wieder abgeholt. Neben Schultergelenks- und Knie-Athroskopien seien im Truck auch hand- und fußchirurgische Eingriffe zu Übungszwecken möglich.

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