Positive Bilanz für den Raum Kassel

Ein Jahr Mindestlohn: Mehr feste Jobs in der Gastronomie

Trend zur Festanstellung: Seit Einführung des Mindestlohns haben Kasseler Gastronomen Hunderte Minijobs in sozialversicherte Arbeitsplätze umgewandelt, sagt die Gewerkschaft NGG. Foto:  dpa

Kassel. Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine positive Bilanz für den Raum Kassel gezogen.

Laut NGG hat der Mindestlohn zu spürbar mehr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in der Branche geführt.

Die Gewerkschaft stützt sich dabei auf eine Untersuchung des Pestel-Instituts für Systemforschung (Hannover) im Auftrag der NGG. Demnach seien im Juni 2015 insgesamt 3458 Mitarbeiter in Kasseler Gastronomiebetrieben auf sozialversicherungspflichtiger Basis beschäftigt gewesen - „und damit 8,5 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab“, sagte NGG-Regionalgeschäftsführer Andreas Kampmann.

Auch die regionale Arbeitslosenstatistik insgesamt habe sich im Jahr der Mindestlohn-Einführung positiv entwickelt. Dies zeige, dass sich die Warnungen und Befürchtungen der Arbeitgeber in der Gastronomie nicht bewahrheitet hätten. „Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Kasseler Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt“, sagte Kampmann.

Sein Fazit: Der Mindestlohn sei „weder Konjunkturbremse noch gefährlicher Job-Killer“. Etliche Arbeitgeber - nicht nur in der Gastrobranche - hätten aus Minijobs reguläre Stellen gemacht.

Andreas Kampmann

Der Umstand, dass viele bisherige Minijobber über die 450-Euro-Grenze gerutscht seien, habe Kassel eine höhere Kaufkraft beschert, von der auch die heimische Wirtschaft profitiert habe, sagte der NGG-Geschäftsführer: Beschäftigte, die jetzt den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, hätten „das zusätzlich verdiente Geld nahezu eins zu eins in den Konsum gegeben“.

Aus den Befunden der Studie liest die NGG Nord-Mittelhessen die „klare Botschaft“, dass der gesetzliche Mindestlohn „den Beschäftigten gut getan“ und andererseits „der Wirtschaft nicht geschadet“ habe.

Die Gastro-Gewerkschaft spricht sich laut Kampmann nun dafür aus, den Mindestlohn von derzeit 8,50 Euro „möglichst rasch in einem ersten Schritt auf 10 Euro pro Stunde anzuheben“. Der NGG-Geschäftsführer sagte: Ein Vollzeitbeschäftigter müsse eigentlich mindestens 11,50 Euro pro Stunde verdienen, um nach 45 Jahren im Arbeitsleben eine Rente von 769 Euro zu bekommen, was gerade einmal der Grundsicherung im Alter entspreche. Dies müsse zur Zielmarke für eine weitere schrittweise Erhöhung des Mindestlohns werden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.