Debatte über Rüstungsfabrikanten

Mehrheit gegen Aberkennung: Bode bleibt Ehrenbürger Kassels

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Streit um den Rüstungsfabrikanten: August Bode.

Kassel. Darf der Rüstungsfabrikant August Bode Ehrenbürger der Stadt Kassel bleiben? Über diese Frage wurde im Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Grundsatzfragen gestritten. Der heftige Schlagabtausch zeigte: Eine Mehrheit für eine Aberkennung wird es in der Stadtverordnetenversammlung nicht geben.

Im vergangenen Jahr hatte die Kasseler Linke den Antrag gestellt, dem 1960 verstorbenen Bode seinen Titel abzuerkennen. Die Produktion von Rüstungsmitteln erfülle „das Verleihungskriterium im Sinne von besonderen Verdiensten um die Stadt nicht“, heißt es in der Begründung.

Kriegsgerät für Wehrmacht

Bode ließ unter anderem Kriegsgerät für die Wehrmacht bauen und beschäftigte Zwangsarbeiter. Er war auch förderndes Mitglied von Hitlers SS.

Die Ehrenbürgerschaft wird vom Stadtparlament vergeben, es kann diese auch wieder entziehen. Eine zentrale Frage der Debatte war, ob die heutigen Stadtverordneten mehr über Bode wissen als ihre Amtsvorgänger 1960.

Ein Großteil des heutigen Wissens sei auch damals bekannt gewesen, sagte Gernot Rönz (Grüne). Man müsse daher aushalten, dass die Stadtverordneten damals eine andere Position hatten, als man heute habe. „Was macht uns klüger als die Stadtverordneten damals?“, fragte er.

Christian Geselle (SPD) argumentierte, dass der Beschluss 1960 ja von einem demokratisch legitimierten Stadtparlament gefasst wurde. Auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) fand es „nicht angemessen“, sich über die damalige Entscheidung hinwegzusetzen.

Recht erlischt mit Tod

Zudem sei eine Aberkennung eigentlich unnötig: Das Ehrenbürgerrecht erlischt mit dem Tod. Dies war auch für Frank Oberbrunner von der FDP ein Argument, um den Antrag abzulehnen. Norbert Wett (CDU) warf den Linken vor, sich an einer Kampagne gegen die Familie August Bodes zu beteiligen.

Ein Problem blieb, dass es sich nicht mehr nachvollziehen lässt, warum genau die Stadtverordneten 1960 Bode die Ehrenbürgerschaft verliehen und was sie wussten. Eine schriftliche Begründung, deren Vorlage Bernd Hoppe von der neuen Fraktion „Demokratie erneuern – Freie Wähler“ forderte, existiert nicht.

Kai Boeddinghaus (Linke) warf daher den anderen Fraktion vor, es sich zu einfach zu machen: Man habe die Verpflichtung, die Aufarbeitung der NS-Zeit fortzuführen. „Es gibt keine Belege, dass die Stadtverordneten damals umfassend über Bode informiert waren“, sagte er.

Der Antrag wurde mit den Stimmen von SPD, Grünen, CDU und FDP abgelehnt. Diesem Votum wird voraussichtlich auch die Stadtverordnetenversammlung folgen. (gör)

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