Die Kasseler Carts GmbH arbeitet an künftiger Steuerungstechnik für Autos

Meister der Simulation

Arbeiten am Prüfstand: Christoffer Feine (links) und Friedrich Lebherz prüfen am Carts-Sitz auf der Marbachshöhe, ob der Testaufbau läuft. Fotos: Koch

Kassel. In den Räumen der Carts GmbH auf der Marbachshöhe wird automobile Zukunft geschrieben. Denn drei bis vier Jahre vor dem Marktauftritt neuer Modelle stellen die Tüftler des kleinen Kasseler Unternehmens mit ihrer aufwändigen, automatisierten Simulationstechnik nach, wie die elektronischen Steuergeräte funktionieren und was passiert, wenn sie Fehler machen.

„Wir gaukeln den Steuergeräten vor, dass sie in Autos verbaut sind, und spielen alle denkbaren Szenarien mit ihnen durch“, beschreibt Carts-Geschäftsführer Orazio Ragonesi mit einfachen Worten einen außerordentlich komplexen Testvorgang.

Oder anders ausgedrückt: Mit der Simulationstechnik aus Kassel werden alle möglichen Fahrsituationen nachgespielt. Gleichzeitig können die Carts-Techniker auf ihren großen Prüfständen das Zusammenspiel aller Steuergeräte in einem Auto nachstellen. Etwa 60 von ihnen stecken in einem Mittelklassemodell: Sie steuern etwa Motoren, Getriebe und Fahrwerke, Infotainment-Systeme, Klima-Anlagen, Bremsen und Verriegelungssysteme. Ohne Elektronik geht in einem Auto moderner Bauweise nichts. Wenn die Systeme nicht einwandfrei funktionieren und reibungslos miteinander kommunizieren, versagt das Fahrzeug den Gehorsam. Allein die Motorsteuerung verarbeitet bis zu 300 verschiedene Signale. Sie sammelt, sortiert und und kanalisiert extrem viele Daten über den Neigungswinkel des Gaspedals, Zylinder- und Drosselklappenstellung, Sprit- und Luftzufuhr.

Die Vorteile der intelligenten Anlagen aus Kassel liegen auf der Hand: Autobauer wie Volkswagen, Audi und BMW, aber auch Zulieferer wie Bosch und Continental können bereits während der Fahrzeugentwicklung die künftige Steuertechnik prüfen und den teuren Prototypenbau auf ein Mindestmaß reduzieren. Und der gesamte Prüfprozess läuft kostensparend, weil vollautomatisch ab. Die Anwender müssen die Daten am Ende nur noch auslesen und die Steuergeräte gegebenenfalls neu justieren. Wenn das neue Auto von den Bändern läuft, ist die wichtige Steuertechnik längst da.

Die Carts-Spezialisten bauen die Schaltschrank- bis Wohnzimmer-großen Prüfstände und verpassen ihnen ihre Software-Intelligenz NovaCarts. Die neue, vierte Version kann wesentlich mehr als die Vorgängerinnen. Sie deckt zusätzlich die Steuertechnik für Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge sowie das autonome Fahren und die Kommunikation der Autos untereinander ab.

„Wir blicken sehr positiv in die Zukunft“, sagt Ragonesi. Carts und die Schwestergesellschaft MicroNova (siehe Hintergrund) seien in den vergangenen Jahren, organisch und profitabel gewachsen und das solle auch weiterhin so bleiben. Der 40-jährige Informatiker und Ökonom ist gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der MicroNova AG. Carts beschäftigt 50 Mitarbeiter.

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