Messerattacke wegen 250 Euro: Verfahren eingestellt 

Kassel. Offene Fragen nach Messerattacke: Das Amtsgericht Kassel hat am Donnerstag ein Verfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung eingestellt.

Ein 30 Jahre alter Mann aus Kassel war angeklagt, weil er Ende August 2014 in Kassel einen 31-Jährigen geschlagen und mehrfach mit einem Messer nach diesem gestochen haben soll.

In der Anklageschrift heißt es, der 31-Jährige sei „körperlich misshandelt” worden. Er sei mit dem Messer an der Hand, am linken Oberarm und am Rücken getroffen worden. Unter anderem habe er eine zwei Zentimeter tiefe Stichverletzung am Rücken in unmittelbarer Nähe der Lunge erlitten.

Die Einstellung des Verfahrens hatte Amtsanwältin Julia Mans beantragt. Aussage gegen Aussage – deshalb könnten auch weitere Zeugen nicht zur Aufklärung beitragen. Drei Polizeibeamte und ein Sachverständiger, ein Rechtsmediziner, wurden nicht mehr gehört. Auch wurde vor Gericht nicht geklärt, ob es sich bei dem Vorfall um Notwehr handelte.

Rechtsanwalt Werner Momberg stimmte namens des Angeklagten der Einstellung des Verfahrens zu. Für den Nebenkläger kündigte Anwalt Ferit Akcay an, er werde nun zivilrechtlich eventuelle Schadensersatzansprüche wie beispielsweise Schmerzensgeld prüfen lassen. Sein Mandat erklärte, sehr lange Schmerzen gehabt zu haben. Da es keine unmittelbaren Tatzeugen gab, war es auch für den Vorsitzenden Richter Rudolph trotz detaillierter Fragen schwierig, alle Hintergründe des Vorfalls auf einem Parkplatz am Struthbachweg aufzuklären. Der 31-Jährige hatte seinem Landsmann 250 Euro geborgt. Der 30-Jährige, der an einer Tankstelle monatlich 1070 Euro verdient, sagte gestern, er habe nicht zurückzahlen können, weil er zu Hause nicht mal Strom gehabt habe. Er habe seinen Fernseher angeboten, der mehr wert sei. Dies habe der Bekannte aber abgelehnt. Der räumte für die Rückzahlung ein halbes Jahr ein.

Da auch das nicht der Fall war, kam es zu dem handfesten Streit. Die tätliche Auseinandersetzung schilderte jeder aus seiner Sicht. Der Angeklagte sagte, er habe das Messer in der Hand gehalten, um Schläge seines Kontrahenten abzuwehren. Der räumte die Schläge ein, beschuldigte den Angeklagten aber, auch noch einen Teleskop-Schlagstock benutzt zu haben. Das stritt der Beschuldigte ab. Nach den blutenden Verletzungen habe er sogar noch seine Jacke ausgezogen, und diese vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes und der Polizei gegen die Wunde gedrückt.

Der Vorsitzende Richter äußerte Zweifel an den Aussagen des Nebenklägers. Der bekam die 250 Euro übrigens vom Onkel des Beschuldigten zurück, nachdem er angekündigt hatte, die Familie zu informieren, wenn er nicht zahle. Ob das was Schlimmes sei, fragte die Amtsanwältin Mans vor dem Hintergrund türkischer Kultur. Antwort in Richtung des Landsmannes: „Für ihn ja.”

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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