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Umfrage unter JVA-Angestellten: Miese Noten für den Chef

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Kassel. Das hessische Justizministerium hatte 2011 Professorin Gabriele Schaa von der Verwaltungshochschule Wiesbaden mit einer anonymen Untersuchung beauftragt: Sie sollte ermitteln, wie zufrieden die etwa 300 JVA-Angestellten in Wehlheiden mit ihrer Arbeit sind. Die Ergebnisse sind niederschmetternd.

Die Vorgabe „Ich bin mit der Anstaltsleitung meiner JVA zufrieden“ beantworteten lediglich neun Prozent der befragten Mitarbeiter des allgemeinen Vollzugsdienstes mit „Ja“. Mit den „sozialen Rahmenangeboten“ waren nur sechs Prozent zufrieden, bei der „inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung“ des Justizvollzugs in Wehlheiden waren es ebenfalls nur sechs Prozent.

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Schon im Jahr 2007 hatte es unter den Mitarbeitern eine solche Befragung gegeben. Dass sich anschließend etwas gebessert habe, meinen nur fünf Prozent der Befragten - bei der Altersgruppe der bis zu 34-Jährigen sagt das sogar keiner. Dass die neue Umfrage positive Früchte trägt, glaubt dementsprechend kaum jemand. Diese Hoffnung hegen nur neun Prozent der Befragten.

Die für die Anstaltsleitung katastrophalen Ergebnisse sind umso bemerkenswerter, weil die JVA-Mitarbeiter eigentlich gern ihren Job machen. „Ich arbeite gern in meinem Tätigkeitsbereich“ gaben 75 Prozent an und „ich arbeite gern in meiner JVA“ sagten immerhin 51 Prozent.

Wie die Anstaltsleitung ticke, verdeutliche auch folgendes Beispiel, sagen die Beamten: Als ein Gefangener eines natürlichen Todes gestorben war, wurde angeordnet, man habe den toten Mann so lange zu bewachen, bis die Leichenstarre eingetreten sei. Obwohl der Arzt den Tod schon Stunden vorher bestätigt hatte, wurden dafür drei Mann abkommandiert - auf den Stationen herrschte hingegen Personalmangel. (tho)

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