11 Millionen Tagestouristen lassen jedes Jahr 350 Mio. Euro in Kassel

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Attraktionen rund ums Jahr: Die Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe gehören zu den Publikumsmagneten, die jeweils Tausende von Tagesbesuchern nach Kassel locken.

Kassel. Volle Häuser, gute Umsätze: Kassels Hotels machen im documenta-Sommer so gute Geschäfte wie seit fünf Jahren nicht, und davon profitieren auch Einzelhandel und Gastronomie. Besucher, die nicht in Kassel übernachten, beleben die städtische Wirtschaft allerdings noch stärker.

Und  verlässlicher, denn das ist nicht nur in documenta-Jahren so.

Laut Prognose von Kassel Marketing (KM) werden dieses Jahr 458.000 Übernachtungsgäste insgesamt 115 Millionen Euro in der Stadt lassen – Unterkunftskosten mitgerechnet. Mehr als dreimal so viel, nämlich gut 350 Mio. Euro, erwarten die Touristiker an Umsatz von 11 Millionen Tagestouristen. Deren Zahl bleibt laut KM seit etlichen Jahren konstant.

Doch wer zählt überhaupt als Tagesgast? KM-Geschäftsführerin Angelika Hüppe beantwortet die Frage auf umgekehrtem Weg: Pendler würden nicht in diese Zählung eingehen, auch keine Kassel-Besucher, die Ärzte und Ämter besuchen oder für ihren täglichen Bedarf einkaufen. Nach gängiger Definition sei ein Tagestourist, wer „seine gewohnte Umgebung verlässt“, um in seiner Freizeit etwas zu erleben. Mitgezählt würden aber auch Geschäftsleute, die für einen Arbeitstag etwas Berufliches in Kassel zu erledigen haben. Diese Gruppe mache knapp ein Viertel aller Tagesbesucher aus.

Anders als Hotelgäste können die Tagestouristen nicht exakt gezählt, sondern nur annäherungsweise durch die Hochrechnung von Befragungsstichproben ermittelt werden. Dies hat das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (DWIF) zuletzt 2005 bundesweit getan. „Eine Aktualisierung dieser Daten ist derzeit in Arbeit“, sagt Angelika Hüppe. Einstweilen werde noch mit den vorliegenden Untersuchungsergebnissen gearbeitet.

Nach den Zahlen für den Raum Kassel lässt jeder Tagesgast statistisch knapp 32 Euro in der Stadt – davon etwa ein Drittel in den Restaurants und Cafés, in denen er sich verpflegt, und knapp die Hälfte in Einzelhandelsgeschäften, wobei Lebensmitteleinkäufe nicht mitgerechnet sind. Nur etwa jeder 14. Euro wird für Sportstätten, Kultur- und Freizeitangebote ausgegeben: Der allergrößte Teil des Budgets landet in den Kassen von Handel und Gastronomie.

Aus der DWIF-Untersuchung leitet Kassel Marketing seine eigenen Prognosezahlen her. Nach den Erkenntnissen der Forscher kommen in Kassel jedes Jahr gut 56 Tagestouristen auf einen Einwohner – woraus die Gesamtbesucherzahl von 11 Millionen folgt.

Bemerkenswert an den DIWF-Zahlen: Unter acht hessischen Regionen hat Kassel nach Frankfurt – und mit weitem Abstand vor anderen Gebieten – die zweithöchste Tagesbesucherquote pro Einwohner und auch die zweithöchste touristische Wertschöpfung pro Gast.

„Das liegt daran, dass wir hier rund ums Jahr immer Attraktionen anzubieten haben“, sagt Angelika Hüppe. Allein beim Kasseler Märchenweihnachtsmarkt entstehe eine Wertschöpfung von 60 Mio. Euro, von denen 37 Mio. im städtischen Umfeld ausgegeben würden.

Von Axel Schwarz

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