Mini-Amazonas statt Fulda:

Tropisch ist es in Kassel heute nur noch im Gewächshaus: Vor 65 Mio. Jahren allerdings war die Region Kassel von Urwäldern und einer breiten Flusslandschaft geprägt wie wir sie heute vom Amazonas kennen. Fotos: dpa, Herzog/Charterflug-Kassel

Kassel. Die Erdgeschichte reicht 4,6 Milliarden Jahre zurück. Der Ahnataler Geologe Karsten Battermann erläutert, welche Klima- und Umweltverhältnisse in den vergangenen 300 Mio. Jahren in Kassel herrschten.

Kassel vor 300 Mio. Jahren

„Vor 300 Mio. Jahren war das heutige Kassel eine ziemlich trockene Region. Wir hatten Sahara-ähnliche Zustände“, erzählt der Geologe Battermann. Das Stückchen Erdkruste, auf dem heute Kassel liegt, befand sich seinerzeit deutlich weiter südlich - dicht am Äquator. Erst später ist es durch die Plattentektonik nach Norden gewandert, wodurch sich auch das Klima veränderte.

Der Wüstensand entstammte dem Verwitterungsschutt eines Gebirges, das das heutige Mitteleuropa durchzog, erläutert der Geologe. Durch Wind und Regenzeiten wurde das feinere Material nach Norden transportiert. Je weiter entfernt vom Gebirge, destso feiner wurde das Material, bis es nur noch Staub war.

Kassel vor 65 Mio. Jahren

Ab dem Ende der Kreidezeit lag der Raum Kassel in einer Flusslandschaft mit Urwäldern und Mooren. „Es herrschten tropische Verhältnisse und Kassel lag in einer weiten Flusslandschaft. Das war hier quasi ein Mini-Amazonas“, erzählt Battermann. Diese Phase dauerte fast 60 Mio. Jahre.

Die abgestorbenen Pflanzen der Wälder und Sümpfe, die damals Kassel bedeckten, sind das Ausgangsmaterial für die Braunkohle, die in der jüngeren Vergangenheit um Kassel abgebaut wurde.

Kassel vor 15 Mio. Jahren

Im Zeitraum von 15 bis sieben Mio. Jahren vor heute war die Region von Vulkanen geprägt. „Die Erhebung des Habichtswaldes, auf dem der Herkules steht, ist der Unterbau mehrerer Vulkane“, sagt Battermann. Die heute noch erkennbaren Vulkane in der Region seien nur die Kellergeschosse der eigentlichen Vulkankegel, die mit der Zeit abgetragen wurden. Gleichzeitig schwemmten die Flüsse Unmengen von Sand nach Norden.

Bis zum Abschwemmen des Sandes reichte dieser bis auf die Höhe des heutigen Herkules. „Der Sand landete im Bereich der heutigen Nordsee“, sagt Battermann. Lediglich im Schutz der überlagernden Vulkan-Gesteine blieb der weiche Sand darunter erhalten.

Kassel vor 2,5 Mio. Jahren

Mit dem Auftreten der Eiszeiten herrschten im Raum Kassel Verhältnisse wie in der Tundra mit Permafrost. Die Gletscher selbst haben unseren Raum nicht erreicht. In Tau-Phasen der Sommermonate kam es verbreitet zu Hangrutschungen. Zwischen den Eiszeiten gab es immer wieder warme Phasen. „Ob wir heute die Eiszeit überwunden haben oder uns nur in einer Zwischeneiszeit befinden, ist unklar“, sagt Battermann.

• Die frühesten Spuren menschlicher Siedlungen in der Region Kassel sind etwa 5000 bis 6000 Jahre alt.

Von Bastian Ludwig

Am Mittwoch, 27. September, hält Battermann um 18.30 Uhr im Kasseler Naturkundemuseum einen anschaulichen Vortrag zu diesem Thema.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.