„Einfach toll, dabei zu sein“

2500 Katholiken feierten Fronleichnam in Kassel

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Kassel. An Fronleichnam zeigt die katholische Kirche ihren Glauben und ihre ganze Pracht der Öffentlichkeit: So nahmen am Donnerstag mehr als 2500 Gläubige an dem Hochfest unter freiem Himmel teil.

An Fronleichnam wird die leibliche Gegenwart Christi beim Abendmahl gefeiert. Auch Anna, Theo und Fritz haben sich für den Festtag in Schale geschmissen: Die drei Neunjährigen aus Kassel durften als Kommunionskinder bei der traditionellen Prozession durch die Innenstadt ganz vorn mit dabei sein.

Beim Gottesdienst auf dem Königsplatz sitzen die 20 Mädchen und Jungen in ihren weißen Kleidern und feinen Anzügen in der ersten Reihe. Als der Umzug beginnt, reihen sie sich hinter den Messdienern, Priestern und Diakonen ein – direkt hinter dem Allerheiligsten unter dem Baldachin. Die geweihte Hostie (Oblate) steckt in einem goldenen Schaugefäß, der Monstranz.

Während Anna in ihrem Spitzenkleid ernst und konzentriert mit der Gruppe schreitet, winkt Theo den Umstehenden mit royaler Geste zu und hat sichtlich Spaß an der Sache. Fritz verfolgt das Geschehen mit neugierigem Interesse. „Toll“ war es, sind sie sich einig, als sie zum Schlusssegen an der Schönen Aussicht ankommen. „Es ist einfach ein gutes Gefühl mitzumachen,“ sagt Anna.

Was genau es mit Fronleichnam auf sich hat, können die drei jungen Katholiken in der Aufregung gerade nicht erklären. „Ich wusste es mal, aber ich hab’ es verdängt“, sagt Fritz. Auf jeden Fall hat es mit Jesus zu tun, versichern die Drittklässler, die vor einem Monat Erstkommunion in der Kirche St. Elisabeth gefeiert haben. Also durften sie beim Fronleichnams-Gottesdienst auch am Abendmahl teilnehmen. Und wie war das? Gut, sagt Anna. Geschmeckt hat es auch: „Mich erinnert es an die Waffeln aus der Eisdiele“, sagt Fritz.

Einen Gottesdienst mit so vielen Menschen auf einmal haben sie noch nicht erlebt, sagen die Neunjährigen. „Das sind sogar mehr als an Weihnachten“, sagt Theo. Aber es feiern ja auch alle 14 katholischen Kirchen in Kassel zusammen.

„Gerade in der heutigen Zeit des Fast Food, wo kaum noch jemand Zeit für eine gemeinsame Mahlzeit hat, wollen wir das feiern, was uns um einen Tisch versammelt: der Leib des Herrn“, sagte Pfarrer Albrecht Vey von der Gemeinde St. Nikolaus von Flüe bei der zentralen Feier auf dem Königsplatzt. Jesus habe beim Abendmahl keine sozialen Unterschiede gemacht und alle Menschen an einen Tisch gebracht. „Auch wir Menschen dürfen keine Grenzen ziehen“, sagte Vey – auch zwischen Katholiken und Nicht-Katholiken, Geschiedenen und Nicht-Geschiedenen dürfe nicht unterschieden werden. Streng genommen sind Geschiedene in der katholischen Kirche vom Abendmahl ausgeschlossen. Die katholischen Kirche Kassel machte deutlich, dass sie alle an ihren Tisch einladen will.

Prozession zu Fronleichnam

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