Kilometerlange Staus wegen Warnstreik

4000 protestierten in Kassel für mehr Lohn: „Wir sind nicht gierig“

Kassel. Wer sich bei diesem unfreundlichen Wetter – Regen, Graupelschauer und eisigem Wind – am Mittwoch auf den Weg zur Demonstration gemacht hatte, dem war es tatsächlich ernst.

Aus ganz Nordhessen waren Arbeitnehmer im Dienstleistungsgewerbe nach Kassel gekommen, um an der zentralen Protestkundgebung auf dem Opernplatz teilzunehmen. Durchgefroren, aber fest entschlossen hielten sie ihre Fahnen und Banner hoch. Auf vielen war zu lesen „Wir sind es wert“.

„Der Leistungsdruck wird immer größer“, sagt Ulrich Kehler, Betriebsratsvorsitzender in den Kreiskliniken Kassel in Hofgeismar, da sei eine angemessene Bezahlung nur gerecht: „Sechs Prozent mehr sind das mindeste.“ Seine Kolleginnen, mit denen er nach Kassel gekommen war, nicken zustimmend.

Einen großen Raum widmete Hauptredner Wolfgang Pieper vom Verdi-Bundesvorstand, der am Donnerstag in Potsdam zu den Verhandlungsführern in der Tarifrunde gehört, dem Thema Nachwuchs. Zu den Forderungen von Verdi gehören 100 Euro mehr Vergütung für die Azubis, eine Fahrtkostenerstattung zur Berufsschule und letztlich auch mehr Sicherheit bei der festen Übernahme nach der Ausbildung. „Wir sind nicht gierig“, unterstrich Annika Dietz, JAV-Vorsitzende bei Verdi, die Forderungen: „Wir möchten nur finanziell auf eigenen Beinen stehen können.“

In Kassel waren am Mittwoch von dem ganztägigen Warnstreik viele städtische Einrichtungen betroffen. Für die meisten Kitas war eine Notbetreuung organisiert, Kinder- und Jugendzentren waren geschlossen, die Schulsozialarbeit konnte nur eingeschränkt arbeiten. Beim Bürgeramt, dem Standesamt und der KFZ-Zulassung gab es „keine nennenswerten Einschränkungen“. Den Telefondienst des Servicecenters hatten gestern Kollegen aus dem Main-Taunus-Kreis übernommen, sagte Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich.

Auswirkungen auf Kreis:

In den Altkreises Hofgeismar und Wolfhagen hatte der Streik nur geringe Auswirkungen. Der Grund: Verdi hatte nach eigenen Angaben in den Kommunen im ländlichen Raum keinen Streikaufruf gestartet. „Es war der erste Warnstreik – wir müssen ja noch steigerungsfähig sein“, sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Axel Gerland. Daher ließen zwar Beschäftigte in der Kreisverwaltung und der Kreisklinik Hofgeismar und Wolfhagen ihre Arbeit ruhen, die kommunalen Kindergärten der Nordspitze waren aber nicht betroffen. Laut Gerland waren aber Verdi-Mitglieder aus Hofgeismar und Wolfhagen in Kassel, die an der Kreisklinik arbeiten. Denn das Gesundheitswesen stehe mit der Personalausstattung und Eingruppierungsregelung besonders im Mittelpunkt der Tarifverhandlungen.

Verdi-Streik: 4000 protestierten in Kassel

Laut der Gesundheit Nordhessen Holding, dem Betreiber der Kliniken, verlief der Tag „ohne besondere Vorkommnisse, die Patientenversorgung war gesichert“, sagte Sprecherin Gisa Stämm.

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