Stadt und Fahrgastbranche einigen sich

Neue Regeln zum Befahren der Fußgängerzone: Arztfahrten für Taxis nun einfacher

Problem für Taxifahrer mit gehbehinderten Patienten: Bisher war die Wilhelmsstraße (ganz hinten im Bild) für Arztfahrten von Taxis und Minicars völlig tabu. Hier steigt eine Passagierin bereits an der Ecke Wolfsschlucht / Opernstraße aus. Foto:  Koch

Mitte. Im Konflikt um Patientenfahrten von Taxis und Minicars zu Arztpraxen in der Fußgängerzone haben sich Stadt und Fahrgastunternehmen jetzt auf Erleichterungen geeinigt.

Unter Einhaltung bestimmter Regeln dürfen die Chauffeure von Taxis und Mietwagen neuerdings bei Patientenfahrten bestimmte Punkte im Raum Wilhelmsstraße sowie zwischen Königsplatz und Stern ansteuern, ohne einen Strafzettel zu riskieren.

Dass es für die Hilfsbereitschaft der Fahrer immer wieder solche Quittungen gibt, hatten die beiden Kasseler Taxifahrerverbände wiederholt kritisiert. Auf Einladung von Verkehrsdezernent Christof Nolda hat es daraufhin zwei Runde Tische mit Vertretern der Stadt, von Taxi- und Minicar-Zentralen sowie der Fahrervereinigungen gegeben.

Dabei ist die Stadt von ihrer früheren Linie abgerückt, den Taxis zum Befahren der Fußgängerzone den Kauf von autogebundenen Sondergenehmigungen anbieten zu wollen. Das sei viel zu teuer, hieß es von den Unternehmern. Statt dessen sollen Patientenfahrten nun ähnlich wie der Lieferverkehr behandelt werden.

Diese Vereinbarungen wurden - zunächst testweise für ein Jahr - getroffen: 

• Bis 11 Uhr dürfen Taxis und Minicars bei Arztfahrten ebenso wie Lieferanten in die Wilhelmsstraße fahren und dort auch halten - Bedingung: Sie legen ein Schild „Krankenfahrt“ oder „Arztfahrt“ hinter der Windschutzscheibe aus.

• Von 11 bis 19 Uhr sollen die Chauffeure in der Fußgängerzone auf jenen Flächen halten, die als eingeschränktes Halteverbot oder als Anwohnerparkplätze markiert sind. Auf Strafzettel will die Stadt verzichten, wenn ein Schild ausgelegt ist.

• Die Zufahrt zur Wilhelmsstraße ist allein von der Garde-du-Corps-Straße her gestattet - das Ordnungsamt wird dort links auf Höhe des Kinos noch eine Stellfläche ausweisen.

• Auf dem Landgraf-Philipps-Platz können Taxifahrer bei Arztfahrten im Raum Untere Königsstraße / Stern ihre Autos abstellen. Der Platz ist seit kurzem ohne zeitliche Einschränkung für den Lieferverkehr freigegeben, so dass das neue Verfahren auch dort gilt.

• Arztpraxen am oberen Königsplatz können über den Hof an der Mauerstraße angefahren werden - die Schranke dort soll eine Klingel bekommen.

• Nach wie vor bleiben die Obere und Untere Königstraße, der Opern- und der Königsplatz tabu für Taxis und Minicars - auch mit Patienten.

Vor den Beratungen seien Mitarbeiter der Bauverwaltungs- und des Straßenverkehrsbehörde den Hinweisen auf schwierig erreichbare Arztpraxen nachgegangen, sagte Rathaussprecher Ingo Happel-Emrich auf Nachfrage der HNA. Aus Sicht der Stadt gebe es nur bei sehr wenigen Praxen echte Zufahrtsprobleme, die durch geringfügige Änderungen an der Verkehrsbeschilderung zu beseitigen seien. „Unter Inkaufnahme von kleinen Fußwegen“ könne damit nun jede Arztpraxis in der Fußgängerzone per Taxi oder Minicar erreicht werden.

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