Betreiber suchen nach alternativen Standorten

Bahn sieht Sicherheitsrisiko: Club Unten im Kulturbahnhof macht zu

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Am 30. Juni schließt die Tür wohl für immer: Betreiber Andreas Störmer vor dem Club Unten am Kulturbahnhof.

Kassel. Das Unten war einer der coolsten Clubs der Stadt. Nun muss der Konzertladen im Kulturbahnhof schließen. Die Bahn sieht das Unten als Sicherheitsrisiko und stört sich an Urinpfützen.

Unten waren die Betreiber des Clubs Unten im Kasseler Kulturbahnhof immer schon. Ihre Webseite heißt www.wirsindunten.de - aber jetzt sind Andreas Störmer und Mathias Jakob erst richtig am Boden angelangt. Ihren Konzert- und Partyclub müssen sie zum 30. Juni schließen. Die Bahn hatte den Mietvertrag zunächst fristlos gekündigt. Nun soll nicht Ende März Schluss sein, sondern erst im Sommer.

Der Grund für das Ende: Der Eingangsbereich direkt an den Gleisen im Nordflügel sei oft stark vermüllt gewesen, wie ein Sprecher der Bahn mitteilt. Zudem hätten Gäste immer wieder an Ecken gepinkelt. Ende Januar kam es dann auch noch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, als zwei Asylbewerber Steine sowie Flaschen auf Gäste warfen und einen Rettungszug der Bahn beschädigten.

Mieter ist die Kreativschmiede Nachrichtenmeisterei, die das Gebäude an Störmer und Jakob weitervermietet hat. Bis vor drei Jahren hatte das Unten-Duo schräg gegenüber den Club Batterie betrieben, der dem geplanten Neubau für die Fraunhofer-Institute IWES und IBP zum Opfer fiel. Nach nicht einmal drei Jahren mit bis zu 140 Veranstaltungen pro Saison, die sie mit dem Verein „Kultur von Unten“ organisiert haben, müssen Störmer und Jacob schon wieder neu anfangen.

Ihr Tonstudio im selben Gebäude, wo unter anderem der Welthit „Stolen Dance“ des Kasseler Pop-Duos Milky Chance abgemischt wurde, soll bestehen bleiben. Trotzdem verlieren mit dem Aus für das Unten sechs Mitarbeiter ihre Teilzeitjobs. „Das ist ein herber Rückschlag für das Kasseler Nachtleben“, sagt Störmer, für den der Bereich um den Kulturbahnhof mit den Clubs A.R.M. und Unten sowie der Caricatura so etwas wie der Kasseler Kiez geworden war.

Sebastian Fleiter

Auch Sebastian Fleiter von der Nachrichtenmeisterei kann die Entscheidung der Bahn nicht nachvollziehen:„Zum Clubbetrieb gehört nun mal Remmidemmi.“ Wer wie die Bahn einen Laden für 200 Gäste genehmige, müsse auch mit der einen oder anderen kaputten Bierflasche leben.

Für Störmer war die Ecke vorher ein viel größerer Schandfleck: „Der Keller war die größte Fixerstube Kassels.“ Mit Jakob hat er den Keller entkernt und mehrere tausend Euro in den Club gesteckt. Gäste wie die gefeierte Hamburger Band „Fuck Art, Let’s Dance!“ und internationale Acts fühlten sich hier pudelwohl.

Noch wird erst einmal weitergefeiert. Am Donnerstag (21 Uhr) treten etwa der Kasseler Staatstheater-Gitarrist Thorsten Drücker und das Kölner Art-Pop-Quartett Crimsonandblue auf. Störmer und Jakob suchen derweil nach alternativen Standorten. Es muss auch gar kein Keller sein. Das große Festival, das sie am 28. Mai an der Baunataler Knallhütte organisieren, heißt daher auch Oben.

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