Hinter vermeintlichem Investmentbanker stecken Abzocker

Betrug mit Schnäppchen: Angebliche Super-Wohnung für 350 Euro angeboten

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Lockangebot: Mit dieser Anzeige auf einem Immobilienportal Immonet wollte ein Betrüger Geld machen. 

Kassel. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein: Dieser Gedanke ging auch dem 31-jährigen Maxim P. aus Kassel durch den Kopf, der derzeit eine neue Wohnung für sich, Frau und Kind sucht, als er auf die Anzeige bei dem Immobilienportal Immonet.de stieß.

Da wurde vergangene Woche eine möblierte 105 Quadratmeter große Wohnung mit Einbauküche, Aufzug, Balkon, Terrasse, Klimaanlage, Gäste-WC für 350 Euro angeboten. Mehrere Fotos zeigten eine schicke Wohnung, in der auch noch Haustiere erlaubt sind. Und das nicht irgendwo in der Nordstadt, sondern an der Reginastraße mitten im Vorderen Westen.

„Es ist schwierig, in Kassel derzeit eine Wohnung zu finden“, sagt Maxim P. Das war auch ein Grund dafür, dass er sich zunächst über das tolle Angebot freute. Der 31-Jährige schrieb an den Anbieter und bekam prompt eine Antwort von dem Eigentümer Mark Jefferson, der sich als Investmentbanker aus England ausgab.

Er habe die Wohnung vor wenigen Jahren gekauft, als er in Deutschland gearbeitet habe. Nun sei er wieder in England und suche einen zuverlässigen Mieter. Daher habe er eine örtliche Immobilienagentur mit großer Erfahrung im Bereich internationaler Vermietungen beauftragt, den ganzen Vorgang abzuwickeln. Die Kosten dafür werde er natürlich vollständig übernehmen, so der vermeintliche Vermieter. „Also, wenn Ihnen das zusagt, lassen Sie mich wissen, mit wie vielen Personen Sie beabsichtigen, einzuziehen und für welchen Zeitraum. Über nähere Informationen zu Ihrer Person würde ich mich außerdem sehr freuen.“ Jefferson schickte auch ein Foto seines Personalausweises, um Seriosität vorzugaukeln.

Maxim P. war von dem Schreiben angetan. Warum sollte es sich bei Jefferson nicht um einen Menschenfreund handeln, der einer jungen Familie günstig Wohnraum zur Verfügung stellen will? P. schrieb zurück, stellte seine Familie vor und schickte auch Fotos mit.

Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In dieser Mail wurde Maxim P. mitgeteilt, dass er sich bei einer Agentur registrieren lassen müsse, um die Wohnung besichtigen zu können. Im Rahmen dieser Registrierung müsse er 350 Euro Miete und 450 Euro Kaution zahlen. Sollte ihm die Wohnung nicht gefallen, bekomme er die 800 Euro zurück.

Die Forderung nach Vorkasse machte den 31-Jährigen nun doch stutzig. Er recherchierte im Internet. Unter dem Namen Mark Jefferson in Verbindung mit Wohnungsbetrug bekam er viele Treffer. Die günstige Traumwohnung bietet der angebliche Investmentbanker nicht nur in Kassel, sondern in zahlreichen deutschen Städten an, mit ein und den selben Fotos. In zahlreichen Blogs wird vor der Betrugsmasche gewarnt.

Maxim P. ist froh, dass er dem Betrüger nicht auf den Leim gegangen ist. Er hat Anzeige erstattet. Bei der Kasseler Polizei ist diese Betrugsmasche bekannt, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz.

Das sagt die Pressestelle der Immowelt Group:

Um Kunden höchstmögliche Sicherheit zu bieten, überprüfe das Sicherheitsteam der Immowelt Group die Datenbank regelmäßig nach Auffälligkeiten und lösche zweifelhafte Angebote sofort. Laut Pressestelle gilt folgendes: „ Wir lassen täglich Suchaufträge über Großstädte laufen, die anzeigen, wenn Größe und Preis nicht zusammenpassen. Auch wenn überdurchschnittlich viele Anfragen (zum Beispiel durch einen sehr niedrigen Preis) zu einem Objekt einlaufen, sehen wir das und handeln entsprechend. Diese Objekte werden geprüft und bei Erhärtung des Betrugsverdachts umgehend entfernt. Leider betrifft Betrug die gesamte Finanz- und Onlinebranche. Wir setzen auf Prävention und Aufklärung, denn beides sind für uns elementare Stellschrauben, um Betrug zu verhindern. Aufgeklärte Verbraucher mit einem gesunden Misstrauen sind am besten geschützt. (...) Darüber hinaus haben wir eine eigene Infoseite eingerichtet, auf der sich Nutzer zu Betrugsmethoden informieren können. Zudem warnen wir auch im Anbieterbereich vor aktuellen Betrugsmaschen. Schließlich helfen uns auch achtsame und aufgeklärte Nutzer bei der Bekämpfung von Betrug. Sie können Objekte direkt im Exposé über die Melde-Funktion an die Kollegen des Sicherheitsteams weiterleiten. Bei einem Hinweis auf ein betrügerisches Angebot – ob durch die Spezial-Software oder einen Nutzer – nehmen die Kollegen es umgehend offline und prüfen es manuell.“ (use)

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