Gefertigt in Handarbeit

Bier mit Honig: Michael Busse und Michael Hertweck entwickeln „Craftbee“

Mit Liebe gefertigt: Michael Busse (links) und Michael Hertweck aus Kassel haben ein eigenes Honigbier entwickelt, das sie auf den Namen „Craftbee“ tauften. Foto:  V. Fischer

Kassel. Der eine ist Imker, reagiert aber allergisch auf Bienenstiche. Der andere ist Bierbrauer, mag aber gar kein Bier. Zusammen ergeben die beiden Michaels - Hertweck und Busse - ein nicht alltägliches Duo, das nun ein eigenes Bier auf den Markt gebracht hat: das Honigbier „Craftbee".

Das Bier

„Unser Baby“, wie Busse das Bier liebevoll nennt, sei eine richtige Spezialität. „Der nordhessische Champagner sozusagen, komplett aus der Region“. Kollege Hertweck fügt hinzu: „Die wichtigste Zutat ist unser Kasseler Stadthonig.“ Und der habe mehr Pfiff als die industriell hergestellte Massenware. Stadtbienen würden bis zu 400 verschiedene Pflanzenarten anfliegen. Diese Vielfalt schmecke man dem Honig an - und jetzt auch ihrem Bier, sagt Hertweck.

Die Bier brauenden Imker

Der 48-jährige Neu-Bierbrauer Hertweck arbeitet in einer Druckerei und ist Hobby-Imker. Dass er allergisch auf Bienengift reagiert, musste er schmerzlich feststellen: Eines Tages hatten ihn mehrere Bienen gestochen. Er kam mit einem anaphylaktischen Schock ins Krankenhaus. Seine Leidenschaft für die summenden Tierchen blieb dennoch. Er kümmert sich nach wie vor um sie, nur jetzt in voller Montur, sprich Schutzkleidung.

Sein 31-jähriger Kollege Busse, gelernter Koch, Hobby-Imker und nun auch Bierbrauer, hat da ein ganz anderes Problem: Er mag kein Bier, hasst es sogar. Höchstens als Mischgetränk kriegt er es runter. Beste Voraussetzungen also für beide, ein eigenes Honigbier auf den Markt zu bringen.

Die Idee

Hertweck und Busse boten im Sommer beim Dorothea-Viehmann-Wandertag ihren Honig an. „Die Wanderer wollten nach dem Marsch aber lieber ein Getränk“, berichtet Busse. Wie also den Honig an die Leute bringen?

Bier gehe immer, meinte Hertweck. Und schon ward die Idee für ein Bier mit eigenem Honig geboren. Busse und Hertweck holten sich den Braumeister Sascha Nicolai von der Hütt-Brauerei ins Boot. Nach sechsmonatigem Tüfteln sah sich das Trio am Ziel: Das „Craftbee“ mit dem Tetnanger Aromahopfen und dem Stadthonig war fertig.

Der Geschmack

„Es ist kein Einheitsbier und es ist auch nicht süß“, klärt Hertweck auf. Außerdem schmecke der erste Schluck ungewöhnlich. „Aber der zählt nicht“, sagt Busse. Man müsse das Bier erst mal auf den Gaumen wirken lassen. Erst dann merke man, welches Aroma überhaupt dahinterstecke. Statt es wie handelsübliches Bier vor dem Fernseher herunterzuspülen, sei das Honigbier eher für den Genuss da, wie etwa Wein.

Die Produktion

Gefertigt wird „Craftbee“ in Handarbeit - vom Einrühren des Honigs, Abfüllen in der Brauerei bis hin zur Etikettierung und Versiegelung mit Wachsstreifen aus den eigenen Bienenständen. Zum Start gibt es eine Auflage von 1000 Flaschen à 0,75 Liter. Eine Flasche kostet 9,90 Euro.

Billiger gehe es nicht, da die Stückzahl so gering sei, sagt Busse. Sollte das Bier aber ein Erfolg werden, könne mehr produziert werden. Dadurch sinke dann auch der Preis.

Hintergrund: Honigbier: Ein Getränk der Germanen

Das Bierbrauen mit Honig hat Tradition. Schon bei den Germanen und Wikingern war es üblich, dem Bier etwas Honig hinzuzufügen. Dadurch sollte es haltbarer gemacht werden, erklärt Michael Busse. Honig verfügt nämlich von Natur aus über Konservierungsstoffe und verleiht dem Bier ein besonderes Aroma, ohne es zu süßen. Mit der Entdeckung des Hopfens und der Einführung des industriellen Brauverfahrens wurde der Honig aus dem Bier verbannt. Busse und Hertweck wollen mit ihrem Honigbier die alte Tradition wieder aufleben lassen. Das zeigt sich auch am Namen: „Craftbee“ ist aus den Worten Craft-Beer und Bee zusammengesetzt. Bee heißt übersetzt Biene und Craft-Beer ist ein traditionelles handwerklich (craft) gebrautes Bier. Es steht im Kontrast zu der industriell hergestellten Massenware der großen Brauereien.

Die Verkaufsstelle

Kurhessenlädchen, Treppenstraße 1; Bistro Mistral, Schönfelder Straße 54. Weitere Infos gibt es bei Michael Hertweck (Tel. 9 89 35 16) und auf www.craftbee.de

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