Ausstellungshaus lud Besucher auch hinter die Kulissen ein

Blick hinter verbotene Tür im Fridericianum

Staunende Besucher: Walter Peter (links) vom Aufbau-Team erläuterte im Raum mit Werken von Michel Majerus, wie Bildvorlagen des Künstlers an die Wände gebracht wurden. Fotos: Koch

Kassel. Das Raumerlebnis im Fridericianum ist immer wieder ein neues. Gestern haben die fleißigen Akteure hinter den Kulissen verraten, wie sie das jedes Mal machen. Beim Tag der offenen Tür waren interessierte Besucher eingeladen, auch einen Blick hinter sonst für sie verbotene Türen zu werfen.

In die große Werkstatt unter dem Dach zum Beispiel. Hier bauen die Handwerker neue Wände aus Aluminium-Elementen, aus denen sie mobile Wände herstellen. „Es passiert nicht selten, dass noch zwei Tage vor einer Ausstellungseröffnung noch eine Zehn-Quadratmeter-Wand verschoben werden muss“, plauderte der stellvertretende technische Leiter Benjamin Koziol aus dem Nähkästchen.

In der üppig ausgestatteten Werkstatt, die mit dem Dübel- und Schrauben-Sortiment eines Baumarkts mithalten kann, wird gemalert, lackiert und repariert. Hier entstehen aber auch Sockel oder Transportbehältnisse für Kunstwerke.

Davon hat das 1779 vollendete Museumshaus jede Menge zu bieten: große und kleine Holzkisten, dazu riesige Rollen mit Folien, um empfindliche Kunstgegenstände zu verpacken. „Die Kunst fühlt sich am wohlsten in einer dunklen Kiste“, schildert der technische Leiter Martin Fokken den Balanceakt der Ausstellungsmacher, die Werke so zu präsentieren, dass sie dabei keinen Schaden nehmen. Lufttemperatur und -feuchtigkeit müssen dafür fein gesteuert und dokumentiert werden. Ein riesiges Sortiment von Bilderrahmen mit UV-undurchlässigem Museumsglas wird für alle Fälle vorgehalten.

Ebenso beeindruckend ist die Ausstattung an Medientechnik von Abspielgeräten für VHS-Kassetten bis hin zu Beamern und gewölbten Flachbildschirmen, die Full-HD-Qualität wiedergeben können.

Der neunjährige Johannes zeigt sich indes besonders fasziniert von einem alten 16-Millimeter-Projektor. „Wir haben viele Künstler, die diese Technik ganz bewusst einsetzen“, verrät Christoph Hunziker, während er in einer kleinen Kammer mit Blick auf das Ottoneum demonstrierte, wie ein Film eingelegt wird.

Fridericianum: Blick hinter verbotene Tür

Staunenden Respekt zollten die Besucher des ungewöhnlichen Rundgangs auch dem Aufbau-Team. „Heißt das nicht, dass Sie eigentlich die Künstler sind?“, fragte ein Gast, nachdem Walter Peter geschildert hatte, mit welch ausgeklügelter Technik die Bildvorlagen des verstorbenen Künstlers Michel Majerus an die Wand gebracht wurden.

„Man bekommt einen neuen Blick auf die Ausstellung“, zeigte sich der regelmäßige Fridericianum-Besucher Jörg-Rüdiger Erdmann dankbar für diese spannenden Einblicke. Rund 850 Besucher, darunter etwa 100 Kinder, machten gestern von dieser Gelegenheit Gebrauch.

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