Blick in die Sterne wird schärfer

Planetarium in der Orangerie bekommt neue Technik

Vorfreude auf neue Möglichkeiten: Dr. Karsten Gaulke, Leiter der Sammlungen in der Orangerie, mit dem bisherigen Zeiss-Sternenprojektor unter der Kuppel des Planetariums. Heute ist die vorerst letzte Vorstellung vor der viermonatigen Umbaupause. Foto:  Malmus

Kassel. Einen viel schärferen und detailreicheren Blick ins Weltall wird das Planetarium in der Orangerie ab April 2016 ermöglichen:

In den nächsten Tagen beginnt der Austausch des 23 Jahre alten Sternenprojektionssystem gegen eine Anlage auf dem neuesten Stand der Technik. Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) gibt dafür 800.000 Euro aus. Vor der viermonatigen Umbaupause ist am Freitag um 15 Uhr die vorerst letzte Gelegenheit zum Besuch einer Planetariumsvorführung.

Ebenso wie das bisherige Modell kommt der neue Sternenlichtgeber vom Jenaer Optik-Spezialisten Carl Zeiss. Das Gerät bringt für die Darstellung von Gasnebeln, Kometen und Galaxien auf der Planetariumskuppel auch ein eigenes Videosystem mit, welches den bisherigen Ring aus zwölf Projektoren ersetzt. „Damit werden überlappungsfreie Bilder möglich, die wir viel eleganter steuern können“, erläutert Planetariumsvorführer Thomas Becker. Künftig werde das All auf der Kuppel wirklich tiefschwarz erscheinen, die Sterne darauf „bei gleicher Helligkeit“ wesentlich kleiner, schärfer und somit realitätsnäher. Statt der bisherigen Glühlampen-Projektion komme Glasfaser- und LED-Technik zum Einsatz.

Wer sich vorstellen möchte, welchen Techniksprung das Planetarium mit dem Umbau machen wird, muss nur daran denken, welche Qualität Fernseh- und Computerbilder noch zur Zeit der deutschen Vereinigung hatten. Der Austausch sei auch deshalb fällig, weil es bei Zeiss in Jena „nur noch einen Menschen“ gebe, der das betagte Kasseler Projektorenmodell warten könne - „und der ist schon knapp vor der Ruhestandsgrenze“, sagt Dr. Karsten Gaulke, Leiter des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in der Orangerie. In der Ausstellung dort werde übrigens auch der alte Sternenprojektor einen Ruhestandsplatz erhalten.

Von den Möglichkeiten mit der neuen Technik ist auch Gaulke begeistert. Die bisherige Projektion zeige den jeweils aktuellen Stand der rund 2500 sichtbaren Sterne über Kassel, in ihrer Bewegung dargestellt durch ein mechanisches Zahnradsystem. Gaulke: „Sobald wie eine andere Sternenkonstellation zeigen wollen, etwa zur Zeit von Christi Geburt, müssen wir das Getriebe einen Tag lang laufen lassen.“

Ab April aber würden aber ganz neue Vorführ-Erlebnisse möglich: Da das neue System den Sternenlauf aus einer Datenbank erzeuge, genüge ein Knopfdruck, um zu zeigen, wie der Sternenhimmel etwa vom Mars aus aussieht - samt dem blauen Planeten Erde in der Nähe. Oder man könne simulieren, wie der astronomiebegeisterte Landgraf Wilhelm IV im 16. Jahrhundert die Sterne gesehen hat.

Darin stecken auch Möglichkeiten für die 30 bis 40 standesamtlichen Trauungen, die jedes Jahr im Planetarium vollzogen werden: Der Vorführer könnte dann etwa den Sternenhimmel in jener Nacht zeigen, in der sich das Hochzeitspaar kennengelernt hat.

Bisher besuchen jedes Jahr etwa 20.000 Menschen die Vorführungen des Planetariums in der Orangerie.

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