Beschluss des Magistrats

Branner-Brücke wird nicht umbenannt

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Soll ihren Namen behalten: Die Karl-Branner-Brücke, die die Unterneustadt mit der Innenstadt verbindet.

Kassel. Die Karl-Branner-Brücke über die Fulda behält trotz der NS-Verstrickungen ihres Namensgebers ihre Bezeichnung. Das hat der Magistrat in seiner Sitzung am Montag beschlossen.

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Ebenfalls einigten sich die Fraktionen auf einen Text für eine Erinnerungstafel, die an der Fußgängerbrücke angebracht werden soll. Die betroffenen Ortsbeiräte Unterneustadt und Stadtmitte hatten für eine Umbenennung in „Brücke am Rondell“ gestimmt. Deren Beschlüsse wurden vom Magistrat aber nicht berücksichtigt.

Hintergrund der Diskussion sind die bekanntgewordenen Verstrickungen des ehemaligen Kasseler Oberbürgermeisters Karl Branner (SPD) in das NS-System. Das NSDAP-Mitglied Branner postulierte in seiner Doktorarbeit die Politik des NS-Regimes.

Text für die Erinnerungstafel:

Dieser Text wird auf einer Tafel an der Brücke angebracht: „Branner wuchs als Sohn eines Bäckermeisters in der Unterneustadt auf. Ab 1952 gestaltete er als Stadtverordneter der SPD, Bürgermeister und Oberbürgermeister (1963-1975) den Wiederaufbau des zerstörten Kassels mit. Er setzte sich mit Nachdruck für die 1972 erfolgte Gründung der Gesamthochschule, der heutigen Universität Kassel ein. 1975 wurde er Ehrenbürger, 1995 Ehrenoberbürgermeister.

Im Mai 1933 trat er in die NSDAP ein und war u. a. Mitglied im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Er übernahm für seine Doktorarbeit den rassistisch-antijüdischen Ansatz seines Doktorvaters, der nach 1945 wegen seiner nationalsozialistischen Ansichten nicht wieder ins Beamtenverhältnis übernommen wurde.

Während seiner Zeit als Soldat im Kriegseinsatz von 1939 bis 1945 wurde er nach dem 20. Juli 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zu 10 Monaten Gefängnis mit Rangverlust verurteilt. Die Strafe wurde im April 1945 auf drei Monate abgemildert.

Von 1945 bis 1949 war er als Kriegsgefangener in einem Lager im früheren Jugoslawien. Dort war er führend in einem „Antifaschistischen Ausschuss“ tätig, der vorwiegend die Umerziehung und Beeinflussung der deutschen Kriegsgefangenen im Geiste des jugoslawischen Kommunismus zum Ziel hatte.

Dr. Karl Branner hat nach 1949 - wie sehr viele in seiner Generation - zu seiner Rolle im Nationalsozialismus geschwiegen. 1963 fand eine kurze öffentliche Debatte zu den Inhalten seiner Doktorarbeit statt. In einer 2015 veröffentlichten Studie, die die Stadt in Auftrag gegeben hat, ist sein Lebenslauf ausführlich dokumentiert. Dort heißt es: ,Öffentlich hat er die Rolle des Widerstandskämpfers nach allem, was wir wissen, nie in Anspruch genommen.’ Und weiter heißt es: ,An der Spitze der Stadt Kassel stand zwischen 1963 und 1975 kein Nationalsozialist, sondern ein ehemaliger Nationalsozialist, der sich nach längeren Anpassungs-, Wandlungs- und Lernprozessen zum Demokraten entwickelt hatte.’ Die Studie bewertet die Lebenswege von Branner und seinen Vorgängern als ,deutsche Normalbiographien des 20. Jahrhunderts’.“

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