Ostermarsch in Kassel: 500 demonstrierten für Frieden

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Kassel. 500 Frauen, Männer und Kinder haben am Montag am Ostermarsch in Kassel teilgenommen, um gegen Krieg und Terror zu protestieren.

150 Friedensaktivisten starteten am Halitplatz (Nordstadt), 350 Menschen zogen vom Bebelplatz (Vorderer Westen) über das Mahnmal am Weinberg zum Rathaus. Dort forderte der Friedensforscher Dr. Johannes M. Becker, dass jeglicher Rüstungsexport zu stoppen sei. Zudem müsse europäische Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen eingeklagt werden. „Es ist unerträglich, dass die Flüchtenden unsere Kriegspolitik nun mit dem Verlust ihrer Heimat und mit dem Tod bezahlen müssen“, sagte er bei der Kundgebung vor dem Kasseler Rathaus.

Aktualisiert um 17.33 Uhr

Der Friedensforscher aus Marburg war in diesem Jahr Hauptredner beim Kasseler Ostermarsch, den das Forum für den Frieden bereits zum 36. Mal ausrichtete. Es seien die maßgeblich vom Westen vorangetriebenen Kriege, wegen denen Millionen von Menschen ihre Heimat verloren hätten und zur Flucht gezwungen worden seien, sagte Becker. Er zählte den Kosovo-Krieg, den sogenannten „Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan, die Kriegseinsätze im Irak sowie Libyen auf. Bei diesen Einsätzen sei es den westlichen Regierungen immer nur um Öl, Gas beziehungsweise Trinkwasservorräte in Libyen gegangen. Jeglicher Rüstungsexport sei sofort zu stoppen. „Lasst uns von den Herrschenden die Behandlung der Fluchtursachen einfordern“, sagte Becker. Er forderte die Friedensaktivisten auf, „auf der Straße zu bleiben und den Kriegstreibenden das Handwerk“ zu legen. „Allein erreichen wir wenig, zusammen erreichen wir viel“, sagte Becker zum Abschluss seiner Rede, die von den rund 500 Zuhörern mit viel Applaus bedacht wurde.

Damit ist die Teilnehmerzahl beim diesjährigen Ostermarsch erneut um rund 100 Menschen zurückgegangen. Im vergangenen Jahr waren noch 600 Aktivisten unterwegs, vor zwei Jahren um die 700. Dabei muss sich die Kasseler Friedensbewegung offenbar keine Gedanken um engagierten Nachwuchs machen. Die 16-jährige Schülerin Freya Pillardy aus Wolfhagen hielt eine leidenschaftliche Rede gegen die Werbung der Bundeswehr an Schulen, in Arbeitsämtern und in Universitäten. Sexuelle Belästigung und Mobbing seien bei der Bundeswehr an der Tagesordnung, sagte die 16-Jährige.

Es könne nicht sein, dass Deutschland 32 Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr ausgebe, aber kein Geld für Jugendzentren, Schwimmbäder, Schulen und Altenheime vorhanden sei, so Pillardy.

Aktivist Rolf Wekeck erinnerte an den Friedensforscher Peter Strutynski, den Gründer des Kasseler Friedensforums, der im vergangenen Jahr gestorben ist. Strutynskis Lebenswerk sei die Friedensarbeit gewesen, sagte Wekeck. „Wir werden in seinem Sinne weiterarbeiten.“

Im Mahnmal am Weinberg, in dem die Bebelplatz-Route immer Station macht, hatte Wekeck an den von den Nationalsozialisten getöteten Widerstandskämpfer Wilhelm Leuschner erinnert. Dort sangen die Demonstranten auch von ihrem „Traum vom Frieden“.

500 Menschen beim Ostermarsch in Kassel

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