Weit mehr als 30.000 Zuschauer

Dieser Abend war einfach „Huh!“: Sommernachts-Open-Air des Staatsorchesters mit Patrik Ringborg

Die Karlswiese wurde am Samstag wieder zu einer der größten Konzertarenen Deutschlands. Weit mehr als 30 000 Zuhörer genossen die Darbietungen des Kasseler Staatsorchesters und seines Dirigenten Patrik Ringborg. Foto: Fischer

Kassel. Vor der Musik war die Stille. Wegen der schrecklichen Ereignisse in Nizza und in der Türkei mit vielen Toten begann das Konzert des Staatsorchesters auf der Karlswiese mit einer Schweigeminute. Die weit mehr als 30.000 Menschen erhoben sich auf die Bitte von Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann – ein eindrucksvolles Zeichen des Respekts und Mitgefühls.

Dass man sich von Terroristen aber auch nicht die Freude nehmen lassen sollte, das betonte Generalmusikdirktor Patrik Ringborg – und tat zusammen mit den rund 80 Musikern alles dafür, dass sich schon bald eine friedliche und genussvolle Stimmung unter den picknickenden Konzertgästen ausbreitete.

Der Anteil der ruhigen Musikstücke war diesmal höher als bei den vorigen Open-Air-Konzerten. Viele Zuhörer genossen die von Insa Pijanka locker anmoderierten stimmungsvollen Stücke wie Aram Chatschaturjans Adagio aus der „Spartakus“-Suite, das melodiöse Intermezzo aus Franz Schuberts Bühnenmusik „Rosamunde“ oder auch die feinen Orchesterfarben von Gabriel Faurés „Pavane“. Es gab aber auch Stimmen, die sich mehr lebhafte Stücke gewünscht hätten, solche zum Mitklatschen wie die dritte Zugabe, Paul Linckes berühmtet Operettenhit „Berliner Luft“. Es hing wohl auch davon ab, wo man Platz gefunden hatte. Weit hinten im Rund kam die insgesamt kraftvolle Soundanlage bei den leisen Passagen eben an ihre Grenzen.

An Temperament und auch Virtuosität ließen es die Musiker dennoch nicht fehlen. Carl Nielsens kraftvolle Ouvertüre zu „Maskerade“, mit der das Konzert eröffnet wurde, Eric Coates’ beschwingter Marsch aus dem Film „The Dam Busters“ und die unverwüstliche Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß sorgten ebenso für gute Laune wie die volkstümliche „Midsommarvaka“ des Schweden Hugo Alfvén.

Zu Glanzpunkten wurden fünf Gesangsstücke. Wobei die tollen Stimmen von Ulrike Schneider („Acerba volutta“ aus Cileas „Adriana Lecouvreur“), Lin Lin Fan („Les filles de Cadix“ von Léo Delibes), Celine Byrne („Un bel di vedremo“ aus Puccinis „Madama Butterfly“) und Elizabeth Bailey („O luce di quest’anima“ aus Doniztettis „Lin da di Chamounix“) sich in bester Tonqualität über die Karlswiese ausbreiteten – ebenso wie das von Hansung Yoo als stimmungsvolle Zugabe gesungene Lied an den Abendstern aus Wagners „Tannhäuser“.

Alles wurde jedoch vom grandiosen Finale übertroffen. Gab es schon einmal ein derart eindrucksvoll choreografiertes Feuerwerk wie diesen sechsminütigen Farb- und Feuerreigen zur „Star Wars“-Musik von John Williams? Der Jubel war groß und steigerte sich zum lautstarken „Huh!“ – Islands Fußballfans wären stolz gewesen. Klar, dass dann Zugaben folgten, beginnend mit Wagners „Walkürenritt“, der in „Apocalypse Now“ auch zum Filmhit geworden ist.

Impressionen vom Sommernachts-Open-Air (Teil 1)

Impressionen vom Sommernachts-Open-Air (Teil 2)

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