Dinosaurier vor dem Kasseler Naturkundemuseum hat seinen Vorderlauf zurück

Kassel. Acht Tage vermisste der Dino vor dem Ottoneum seinen Arm. Jetzt ist er wieder dran.

Am Dienstag wurde der Saurier, ein Iguanodon, vor dem Kasseler Naturkundemuseum von der Tierpräparatorin Britta Wienpahl behandelt.

Für das Ottoneum ist er ein Aushängeschild, für Kinder und Jugendliche lädt er zum klettern ein. „Unser Dino muss einiges aushalten, denn immer wieder sehen wir wie sich Kinder an den angewinkelten Arm hängen“, berichtet Wienpahl. Das Gleiche würden aber auch Jugendliche machen. Dies wäre kritisch und je mehr Jugendliche sich dranhängen, desto schneller bricht die Verschalung aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Aus diesem sogenannten Fiberglas mache man Bootsrümpfe. Der Dinosaurier ist aber anfällig für Schäden, denn für Wienpahl ist das bereits die sechste Reperatur.

Der Iguanodon ist wieder komplett: Tierpräparatorin Britta Wienpahl gab dem Dinosaurier vor dem Ottoneum seinen Arm zurück. Heute wird sie den Vorderlauf kosmetisch bearbeiten, so dass niemand die Bruchstelle mehr sehen wird. Foto: Geier

Punkt neun Uhr begann Wienpahl gestern Morgen mit der Behandlung: Mit Atemschutzmaske bearbeitete sie den Vorderlauf des Sauriers, schillernde Glasfasern von der Verschalung flogen durch die Luft. Holzstäbe werden wie richtige Knochen in den Unterarm gehämmert. Wolfgang Lentze, Schreiner im Ottoneum, bringt immer wieder Latten, die dann in Form gesägt werden müssen. Eine halbe Stunde werkeln die Beiden herum, dann lässt sich der Vorderlauf wieder mit dem restlichen Dinosaurier verbinden. Mit Klebeband und Gurten wird der Arm festgebunden an dem restlichen Koloss befestigt.

Wienpahl bohrt ein Loch in den Oberarm, dort werden Minuten später immer wieder Ladungen von Montageschaum gegossen, der dann im Arm aufgeht und alles fest miteinander verbindet. Drei Ladungen sind nötig - gut 2500 Liter. 24 Stunden muss der sogenannte PU-Schaum durchhärten und so lange trägt der Dino eine Schlinge.

Heute nimmt Wienpahl die kosmetischen Feinheiten in Angriff, denn der Riss muss vollständig verschwinden. Der klaffende Riss wird mit Epoxidharz verschwinden und dann einfach übermalt.

Wie lange die Konstruktion halten wird, lässt sich aber nicht schätzen, denn das Material hat Grenzen, erklärt die Präparatorin. „Es kann beim Hundertsten oder Dreihundersten Kind krachen“, erkärt sie.

Hintergrund 

Der echte Iguanodon, zu Deutsch Leguanzahn, lebte in der frühen Kreidezeit, vor rund 135 Millionen Jahren, in der Region um Kassel. Eine Nachbildung des Dinosauriers schenkte die Firma Geotec im Dezember 2007 dem Ottoneum. Seitdem wirbt der vier Meter hohe und zehn Meter lange Dino für das Naturkundemuseum und ist eines der meist fotografiertesten Objekte in Kassel.

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