Keine Veränderungspläne in Sicht

Dreck und Verfall am Druselturm: Denkmal inmitten von Schrottgebäuden

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Dreck-Ecke: Die Passage zum Parkplatz wird als Müllabladeplatz und Toilette missbraucht.

Kassel. Der 600 Jahre alte Druselturm ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse des mittelalterlichen Kassel. Doch heruntergekommene Grundstücke in der Nähe zerstören das Bild.

Die Stadt möchte den historischen Schatz im Zuge der Königsstraßen-Umgestaltung besser zur Geltung bringen. Doch die heruntergekommenen Privatgrundstücke, die den Druselturm umschließen, laufen dieser Absicht zuwider und erzeugen an zentraler Stelle der Innenstadt ein Bild von Leerstand und Verfall.

Steht bald komplett leer: Das Geschäftshaus Obere Königsstraße 46 (Mitte), das an den Druselturm angrenzt. Der letzte Mieter, ein Schuh-Outlet, zieht zum Jahresende aus.

Im Eckkhaus Untere Königsstraße 46 hat das Schuhhaus Albert im Sommer seinen Räumungsverkauf abgeschlossen und wird den Laden noch bis Ende des Jahres als Schuh-Outlet betreiben. Bereits seit Jahrzehnten hatte die Kasseler Traditionsfirma Albert dem Geschäft bloß noch den Namen geliehen: Betreiber war in jüngerer Zeit die Wuppertaler Schuhhandelskette Klauser, die sich nun als letzter verbliebener Mieter aus dem Gebäude zurückzieht.

Im Hofdurchgang neben dem Druselturm: Unrat...

Das sei schon vor zwei Jahren entschieden worden, sagte Klauser-Prokurist Heinz-Werner Döring auf Anfrage der HNA. Das Unternehmen habe keine Chancen mehr gesehen, auf Dauer an dieser Adresse erfolgreich zu sein. „Das war hier früher mal ein sehr guter Einzelhandelsstandort“, sagte Döring mit Blick auf frühere Geschäftsnachbarn wie Overmeyer und Kranefuß. „Die Stadt hat diese Lage verkommen lassen. Vielleicht wird es in Zukunft besser, aber für uns kommen diese Aktivitäten zu spät.“

...und lose oder schon abgefallene Deckenplatten.

Bis auf das Schuhgeschäft sind alle anderen Mieter längst weg. Die angrenzenden Räume einer Boutique zum Druselturm hin machen durch dreckige Scheiben einen schäbigen Eindruck, und weiter um den Turm herum bis zur Obersten Gasse setzt sich dieser Eindruck fort: Bis auf eine Automatenspielhalle im Erdgeschoss steht der vierstöckige Bürokomplex seit vielen Jahren leer. Eine Tiefgarage und ein Parkplatz im Innenhof vom Druselplatz her werden augenscheinlich noch vermietet. Müll, bröckelnder Putz und lose Deckenplatten prägen dort das Bild. „Hier ist keine Toilette“, steht auf einem handgeschriebenen Schild.

Die Stadt Kassel plant, im Oktober das nicht mehr benötigte Trafohäuschen neben dem Druselturm abzureißen und dann die gesamte Gasse bis zur Unteren Knigsstraße neu zu pflastern. Außerdem solle der Turm künftig nachts mit einer Effektbeleuchtung angestrahlt werden, sagte Rathaussprecher Sascha Stiebing: Die Stadt erhoffe sich von dieser „Aufwertung des öffentlichen Raums“ auch, dass die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke die Initiative aufgreifen „und hier eine Neuentwicklung einleiten“.

Es seien aber weder entsprechende Planungen bekannt, noch hätten die direkten Anlieger je auf Schreiben der Stadt reagiert, sagte Stiebing. Auch von der Schuhkette Klauser hieß es, man wisse dort „nichts über die Ziele und Absichten“ der Grundstückseigentümer.

Steht seit Jahren leer bis auf eine Spielhalle im Erdgeschoss: Das Bürohaus Druselplatz 5 / Oberste Gasse 25.

Eine Kontaktaufnahme zu diesem Thema gelang auch dieser Zeitung bislang nicht. Nach HNA-Informationen sollen beide Liegenschaften im Eigentum von Erben der Kasseler Albert-Familie sein, die 1914 ihr traditionsreiches Schuhhaus gegründet und über 75 Jahre lang selbst betrieben hat. Laut Handelsregister befindet sich die Firma Schuhhaus Albert GmbH seit Februar 2016 in Liquidation.

Hintergrund: Die Geschichte von Schuhhaus und Bürogebäude 

Diese jüngere Geschichte haben die Grundstücke zu beiden Seiten des Druselturms:

Im Jahr 1952 erwarb die Kasseler Familie Albert das Trümmergrundstück Untere Königsstraße 46 und verlegte dorthin den Sitz ihres traditionsreichen Schuhhauses. Das Gebäude wurde in der Folgezeit mehrfach erweitert, seine heutige Erscheinung bekam es nach einem Totalumbau 1982.

In dem Bürogebäude Druselplatz 5 / Oberste Gasse 25 war seit Ende der 1980er-Jahre ein EDV-Schulungs- und Bildungszentrum des Siemens-Konzerns ansässig. Laut HNA-Archiv wurden dort im Jahr 2004 die letzten Kursangebote ausgeschrieben. Über eine weitere oder spätere Nutzung der Räume ist nichts bekannt.

Die Geschichte des Druselturm im HNA-Regiowiki

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