Blick in die Geschichte: Einst Turm für Rathaus geplant

Pläne für die Rathauserweiterung aus dem Jahr 1958: Die Skizze zeigt den Blick von der Trompete in Richtung Fünffensterstraße. Ganz rechts ist ein Teil der Karlskirche zu sehen. Auf dem Parkplatz davor steht heute das Cinestar-Multiplexkino. Skizzen: HNA-Archiv

Kassel. Es gibt Pläne, das Kasseler Rathaus  für geschätzte 25 Mio. Euro zu sanieren. Konkret geht es um den Flügel an der Oberen Karlsstraße. Er entstand in den 1970er-Jahren.

Aus diesem Anlass werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Hauses.

Als das Kasseler Rathaus nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut war, wurde es bald zu klein. Bereits in den 1950er-

Ab 1909: Altes Rathaus mit dem Turm, der im Krieg zerstört wurde. Im Vordergrund der Aschrottbrunnen.

Jahren wurden erste Erweiterungen geplant. Zunächst waren diese recht unspektakulär. So waren in einem ersten Schritt zwischen 1958 und 1974 die Seitenflügel an der Wilhelmsstraße und der Fünffensterstraße durch zweckmäßige Anbauten verlängert worden - zwischen beiden entstand ein weiterer Querflügel, der heute im Innenhof liegt.

Im zweiten Schritt sollte ein augenfälliger Neubau inklusive eines 50 Meter hohen Rathausturms an der Oberen Karlsstraße entstehen. Es werde eine zweite neue Hauptfassade des Rathauses geschaffen, schrieb unsere Zeitung seinerzeit. Der Turm werde „ein Blickfang“. Zudem sollte dieser zu einer Seite hin verglast werden, sodass die Besucher des Rathauses auf dem Weg nach oben Ausblicke genießen können. An der Turmspitze war eine Uhr geplant.

Auch von der Oberen Königsstraße wären der Turm und seine Uhr sichtbar gewesen, da sie den historischen Bau aus dem Jahr 1909 bei weitem überragt hätten. Weniger exponiert sahen die Planungen zudem einen zweigeschossigen Anbau zwischen Rathaus und Karlskirche vor.

1943: Das Rathaus nach der Bombennacht am 22. Oktober 1943. Das Dach wurde später in vereinfachter Form wieder aufgebaut.

Obwohl damals von einem „endgültigen Entwurf“ die Rede war, wurde schließlich und mit einigen Jahren Verzögerung nur eine abgespeckte Variante an der Oberen Karlsstraße realisiert. Bei den Bauarbeiten ab 1974 wurden die Grundmauern und Gewölbereste des ehemaligen Meßhauses gefunden, das bis 1904 am heutigen Standort des Rathauses stand (Artikel unten).

Der Rathausflügel an der Oberen Karlsstraße, der in den kommenden Jahren für viele Millionen Euro saniert werden soll, wurde im Juni 1977 eingeweiht. Die klar gegliederte Architektur des fast 19 Mio. Mark teuren Projektes wurde damals gelobt. Sie bilde einen eigenwilligen aber dennoch bruchlosen Kontrast zum repräsentativen Prachtbau auf der anderen Seite. Die 300 neuen Räume der Rathauserweiterung boten 12 000 Quadratmeter zusätzlichen Platz. Ein Teil davon nutzte schon damals die Stadtbücherei.

Der Turm ist nicht die einzige Planung für das Rathaus, die wieder über den Haufen geworfen wurde. So war zeitweise auch ein Hochhausneubau am Rathaus überlegt worden und in den 1970er-Jahren wurde darüber diskutiert, im Erdgeschoss des Rathausflügels an der Wilhelmsstraße eine Ladenpassage einzurichten. Dazu kam es nicht, dafür eröffnete 1977 auf der Terrasse des historischen Rathausteils ein Kaffegarten für die Bürger. Direkt am Henschelbrunnen (links vom Haupteingang) gab es Kaffee und Kuchen.

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