Mit Experten in Kassel unterwegs

Gebrannte Mandeln: Test auf dem Märchenweihnachtsmarkt

Kassel. Gebrannte Mandeln sind die beliebteste Süßigkeit auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt. Das Angebot ist groß, doch wo gibt es die besten Mandeln?

Die Gastronomen Christian Bach, Dominik Hübler und Chantal Golomb haben es für uns getestet:

Es muss nicht immer Bratwurst sein: Für viele Besucher des Kasseler Märchenweihnachtsmarkts sind es auch die süßen Düfte, die sie in Stimmung versetzen. Besonders groß ist das Angebot an gebrannten Mandeln.

Die klassische Volksfest-Nascherei wird samt einer Vielfalt weiterer gerösteter Nüsse und Kerne an acht Weihnachtsmarktständen verkauft. Zeit für einen Blick auf die Qualität.

Für den Mandeln-Test von Kassel Marketing gemeinsam mit der HNA waren wir mit drei Geschmacksprofis unterwegs, die nicht nur schnupperten und kauten, sondern sich auch für die Herstellung der süßen Spezialität an den einzelnen Ständen interessierten. Dabei wurde schnell klar: So simpel das Röstverfahren und die Grundzutaten sind, so beträchtlich sind die Qualitätsunterschiede.

Ein häufiger Fehler: Wenn die zarten Mandeln zu viel Hitze abbekommen, können sie unangenehm scharfe Aromen entwickeln. Beim Biss in so ein Exemplar entglitt Testerin Chantal Golomb schon mal die diplomatische Jurorinnen-Miene. Ihr Kollege Dominik Hübler bedankte sich mit verbindlichem Pokerface für die Kostprobe und urteilte erst ein paar Meter vom Stand entfernt: „Die waren eindeutig viel zu stark geröstet.“

Die Technik dafür ist bei allen Anbietern gleich: ein beheizbarer Kupferkessel, der sich mit Motorantrieb dreht und die Mandeln oder Nüsse darin mit einem Quirl-Arm umwälzt. Wer es richtig macht, kocht erst Zucker und Wasser im Kessel bis zum richtigen Karamellisierungspunkt, fügt je nach Rezept Zimt, Vanillearoma oder sonstige Zutaten bei und rührt so lange, bis jede einzelne Mandel mit einer dragéeartigen, nicht zu dicken Glasur überzogen ist.

Tester bei der Arbeit: Christian Bach (von links), Dominik Hübler und Chantal Golomb am Weihnachtsmarktstand von Florian Göttermann (rechts), der später zum Testsieger gekürt wurde. Im Hintergrund Mitarbeiter Tomasz Fiuk.

Was man dabei alles falsch machen kann, erläuterte Juror und Patissier Christian Bach anhand der Konditoren-Physik: In seinen Ausführungen über Karamellisierungspunkte und Zucker-Rekristallisation hielt Bach plötzlich mit großen Augen inne, als er sah, wie ein Mandelproduzent unbekümmert reichlich Zucker von einer Schaufel auf die heißen Mandeln im Kessel rieseln ließ. „So darf man das eigentlich nicht machen“, flüsterte der Patissier kopfschüttelnd. Bei so einem Vorgehen kämen zusammengeklumpte, dick überkrustete Plombenzieher heraus.

Preisunterschiede scheint es trotz eines breiten Qualitätsspektrums nicht zu geben: 100 Gramm gebrannte Mandeln kosten überall auf dem Weihnachtsmarkt drei Euro. Und 100 Gramm sind auch wirklich 100 Gramm, wie die Kontrolle mit der Waage ergab: Alle getesteten Anbieter wiegen ausgesprochen genau ab.

Solche Warentests, wie sie schon in vergangenen Jahren vorgenommen worden, hätten die Qualität auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt deutlich gesteigert, sagte Andrea Behrens von Kassel Marketing: Unter den Anbietern der getesteten Produkte entstehe ein gewisser Wettbewerb. „Und wir beobachten, dass bei den prämierten Ständen die Kundennachfrage nach den Tests zunimmt.“

Unser Test: Die besten drei im Überblick

Bei den gebrannten Mandeln auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede, wie der Test zeigte. Für die zentralen Kriterien Geschmack und Frische vergaben unsere Tester Schulnoten im Spektrum zwischen 1 und 4. Auch das Gesamtbild der Warenpräsentation, die Verpackung und die Freundlichkeit des Verkaufspersonals gingen in die Bewertung ein. Der Durchschnitt für alle acht Anbieter lag bei Note 2,33. Mit einer Eins vor dem Komma schnitten zwei der getesteten Stände ab.

Platz Anbieter Bewertung
1. Jeannettes Nuss-Hütte Die besten gebrannten Mandeln gibt es nach Urteil der Tester am Stand der Familie Münch-Göttermann am Friedrichsplatz gegenüber vom Eingang der Königs-Galerie. Die Gesamtnote 1,67 wurde von keinem anderen Anbieter erreicht. Für den Geschmack der duftenden, gleichmäßig glasierten und nicht zu scharf gerösteten Mandeln vergaben alle Juroren eine glatte 1.
2. Camillas Mandelhütte Nur knapp hinter dem Testsieger kam der Stand von Camilla und Max Wunderle am Friedrichsplatz mit der Gesamtnote 1,73 auf den zweiten Platz. Die Sorgfalt und Kompetenz beim Mandelrösten scheint Familiensache zu sein: Wunderles sind die Großeltern des Testsiegers Florian Göttermann. Beide Weihnachtsmarktstände sind ausschließlich auf geröstete Mandeln, Nüsse und Kerne spezialisiert.
3. Familie Schellberg Der dritte Platz geht mit der Note 2,07 an Britta Schellberg, die ihren Stand am unteren Königsplatz nahe der Commerzbank betreibt. Dort machte nicht zuletzt auch die liebevolle Standpräsentation Bewertungspunkte gut.

Rubriklistenbild: © Fotos:  Schachtschneider

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