Kontaktloses Bezahlen

Kasseler Innenstadt wird zum Testlabor für neue Bankkarten

Kassel. Die Kasseler Innenstadt wird das bundesweite Testlabor der deutschen Kreditwirtschaft für neue Funktionen der Girocard, die den meisten Nutzern besser als EC-Karte bekannt ist.

Zu den neuen Funktionen gehört vor allem das kontaktlose Zahlen, bei dem die Karte über ein spezielles Terminal gezogen wird.

Die Kasseler Bank, die Raiffeisenbank Baunatal und die Volksbank Göttingen haben - wie berichtet - gemeinsam mit Edeka und anderen Einzelhändlern bereits im Herbst einen entsprechenden Feldversuch gestartet. Nun soll die Kasseler City den deutschen Banken und Sparkassen als Testregion dienen. Was hier ausprobiert und von Händlern und Kunden akzeptiert wird, wird bundesweit eingeführt.

Aktualisiert um 17.08 Uhr.

Weitere Testfelder sind Funktionen, die im Hintergrund laufen und die Verbraucher nicht betreffen. Außerdem sollen neue Terminals in Kassel erprobt werden, darunter tragbare, kompakte Geräte, etwa für Pizza-Lieferdienste.

Viele der Girocards der Baken und Sparkassen in der Region haben die neue Funktionen bereits. Die, die sie nicht haben, werden nach und nach ausgetauscht. Nach Einschätzung der Branche wird es etwa vier Jahre dauern, bis alle Kunden die gleiche Karte haben.

Das Testlabor ist auf zehn bis 15 Jahre angelegt. Kassel wurde auserkoren, weil die Bevölkerungsstruktur und das Nutzerverhalten von Girocard-Besitzern nahezu identisch mit den bundesweiten Werten ist. Hinzu kommen die durchschnittliche Kaufkraft und der Einzelhandelsumsatz sowie die Händlerstruktur und das große Einzugsgebiet der einzigen Großstadt in der Region.

Die Vorstände der Kasseler Sparkasse und Kasseler Bank, Jochen Johannink und Wolfgang Osse, zeigten sich erfreut, dass Kassel zur Erprobung neuer Technologien auserwählt worden ist und appellierte an die Verbraucher, die neuen Angebote der Girocard zu nutzen. Sie hoffen, dass sie zum bargeldlosen Bezahlen animieren.

Schon heute kontaktlos bezahlen

Seit einiger Zeit bieten Systeme wie girogo die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen. Allerdings nehmen nur bestimmte Geschäfte teil und wenige Kunden nutzen die Methode. Mit den neuen Systemen, die in Kassel getestet werden, soll das kontaktlose Bezahlen weiter verbreitet werden. Auch soll es dann nicht mehr nötig sein, zuvor einen bestimmten Betrag auf den Chip zu laden. Wie Sie schon heute in der Region ohne Pin-Eingabe und kontaktlos bezahlen können, erklären wir im Video.

Fragen und Antworten zum Thema

Wie funktioniert das kontaktfreie Zahlen mit der Girocard (EC-Karte)?

Ganz einfach: Man hält die Karte über ein Zigarettenschachtel-großes Gerät, und in weniger als einer Sekunde ist der Bezahlvorgang abgeschlossen. Das Geld wird abgebucht.

Worin besteht denn der Vorteil gegenüber dem bisherigen Verfahren.

Es ist wesentlich schneller als das herkömmliche, weil die Karte nicht mehr in einen Schlitz gesteckt werden muss und weil bei Beträgen bis 25 Euro die Eingabe der geheimen Pin-Nummer entfällt. Allerdings schaltet sich die Ohne-Pin-Funktion nach jedem vierten Bezahlvorgang aus Sicherheitsgründen ab, kann aber durch Verwendung der Pin wieder aktiviert werden – sei es durch kontaktloses Zahlen eines Betrags über 25 Euro oder durch eine Bargeldabhebung am Automaten.

Was passiert bei Kartenverlust oder Diebstahl?

In beiden Fällen wird die Karte gesperrt. Die Bank haftet für einen Schaden bis 100 Euro, also dem Betrag, für den man maximal ohne Pin einkaufen kann – allerdings nur, wenn der Vorfall sofort angezeigt wurde.

Was haben Kunden und Händler von der neuen Zahlmethode?

Die Kunden können sich auf schnellere Abfertigungszeiten an der Kasse einstellen, die Händler müssen weniger Bargeld deponieren und zu den Banken fahren las-sen. Damit sinkt das Risiko eines Überfalls und auch jenes, mit Falschgeld bezahlt zu werden.

Und wie profitieren Banken und Sparkassen?

Auch sie haben mit zunehmendem bargeldlosem Zahlungsverkehr weniger Arbeit und Kosten mit Papier- und Münzgeld und erhöhen Sicherheit und Diebstahlschutz. Geht es nach der Kreditwirtschaft könnte Bargeld ganz abgeschafft werden. Durch die Kontaktfrei-Technik hofft die Branche auf eine höhere Akzeptanz für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Denn in Deutschland wird noch immer gut die Hälfte des Einzelhandelsumsatzes mit Bargeld erzielt. In Nord- und Südeuropa ist das Zahlen mit Karte sehr viel verbreiteter als hierzulande..

Wie sieht es mit der Datensicherheit beim kontaktfreien Bezahlen aus? Können andere wichtige Daten mitlesen?

Nach Angaben der Kreditwirtschaft ist die Methode sicher. Moderne Verschlüsselungstechniken schützten die Kundendaten. Beim Bezahlen würden nur Betrag und Kartennummer ausgetauscht. „Die Kunden können sich darauf verlassen, das die Daten sicher sind“, sagt der Vorstand der Kasseler Sparkasse, Jochen Johannink. Sein Kollege von der Kasseler Bank pflichtet ihm bei: „Die Methode ist enorm sicher“, betont Wolfgang Osse.

Wie viele Giro/EC-Karten sind im Umlauf?

Es sind rund 100 Millionen. Sie können an bundesweit 784 000 Terminals genutzt werden.

Wie hoch ist der Umsatz mit den Karten?

Bei jährlich fast 2,6 Milliarden Transaktionen kommen gut 138 Milliarden. Euro zusammen.

Wie geht es mit der neuen Technik weiter?

Das jetzige Verfahren ist die Vorstufe des Zahlens mit dem Smartphone. Das steckt aber noch in den Kinderschuhen. Sehr wahrscheinlich wird auch diese Innovation im Test- und Innovationslabor Kassel erprobt.

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