Große Sprünge im neuen Kasseler Varieté Palais Hopp

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Gute Laune nach einer tollen Premiere: Moderator Kai Eikermann (hinten von links), Frank Wolf, Phunky Phil alias Philipp Haacke, Raphael Schall, Sina und Vienna (Duo Sienna) sowie (vorn von links) Gerrit Bamberger, Robert Choinka und Jörg Heckmann. 

Kassel. Nach 20 Jahren Starclub könnte mit dem Palais Hopp eine neue Varieté-Ära in Kassel beginnen. Die Premiere des Programms „Street-Live" war vielversprechend - vor allem für jüngere Zuschauer.

Als Comedian war Gerrit Bamberger nie so aufgeregt wie am Donnerstagabend. Dabei stand der 43-Jährige gar nicht auf der Bühne des Varietés Palais Hopp. Mit Jörg Heckmann hat er das traditionsreiche Haus im Vorderen Westen übernommen, in dem der Starclub zu Hause war, ehe der aus finanziellen Gründen schließen musste.

„Ich war noch nervöser als sonst“, sagte Bamberger. Umso erleichterter war er hinterher. Denn die mit 130 Besuchern ausverkaufte Premiere des ersten Programms „Street-Live“ war ein voller Erfolg und nach 20 Jahren Starclub unter der Regie von Götz Ohlendorf womöglich der Beginn einer neuen Varieté-Ära in Kassel.

Das Haus

Bamberger und Heckmann, die einst zum Starclub-Team gehörten, haben den Charme des alten Saals erhalten und dennoch etwas Neues aus ihm gemacht. Die Wände sind nun grau und schwarz statt rot.

Die Bühne ist größer geworden. Nun können auch Artisten wie der BMX-Fahrer Frank Wolf ihre atemberaubenden Tricks in Kassel zeigen. Weil die Theke in die Küche verlegt wurde, gibt es zehn weitere Sitzplätze. Trotzdem hat man weiterhin überall das Gefühl, in der ersten Reihe zu sitzen.

Die Show

„Man muss das Varieté nicht neu erfinden“, hatte Heckmann im Vorfeld gesagt. Tatsächlich ist „Street-Live“ keine Revolution des Genres, aber ein überzeugendes Programm ohne Leerlauf und mit einigen neuen Akzenten.

Der Titel passt, weil die Show Kunstformen von der Straße auf die Varieté-Bühne holt. Beatboxer Raphael Schall ersetzt allein mit Mund und Mikro eine ganze Band und selbst einen Technoclub. Ohne Hilfsmittel remixt der Berliner Bill Withers Soul-Klassiker „Ain’t No Sunshine“ und führt Klassikmelodien mit Bum-Bum-Beats zusammen. Da macht man zum ersten Mal „Wow“.

BMX-Künstler Wolf balanciert auf seinem Rad und bringt es so schnell zum Drehen, als sei es ein Kettenkarussel. Und Moderator Kai Eikermann ist ein genialer Trickser. Erst erzählt der Glatzkopf müde Kalauer, dann tanzt er wie ein von Michael Jackson und den Techno-Pionieren Kraftwerk programmierter Roboter, spielt Didgeridoo auf einem Staubsauger und macht Breakdance im Schottenrock. Spätestens da ist der ehemalige Teilnehmer der RTL-Castingshow „Das Supertalent“ der Supermann des Abends.

Aber nicht nur jüngere Besucher, auch Traditionalisten kommen auf ihre Kosten: Handstand-Artist Robert Choinka und das Duo Sienna, das die Schwerkraft am Luftring aushebelt, bekommen ebenfalls viel Applaus.

Das Konzept

„Street-Live“ ist nur der Auftakt für eine abwechslungsreiche Premieren-Saison mit vielen Gastspielen. Zum Konzept zählt auch die neue Reihe „Schau für lau“: Für weniger betuchte Altenheimbewohner, die sich das Varieté nicht leisten können, gibt es kostenlose Shows - erstmals im November, wenn das zweite Programm „Steil am Hang“ startet. Derzeit sieht es so aus, als würde es für das Palais Hopp steil nach oben gehen.

Street-Live: Bis 13. November im Palais Hopp, Goethestr. 29-31. Karten: 0561/766 77 444. www.palais-hopp.de

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