Kasseler Hauptbahnhof: Jetzt kommt der Abrissbagger

Alles muss raus: Ehrenamtliche des THW halfen dabei mit, das zerstörte Gebäude im Nordflügel zu räumen. Im komplett abgedeckten Teil befanden sich Lagerräume. Fotos:  Rudolph

Kassel. Das Gebäude im Nordflügel des Kasseler Hauptbahnhofs, das bei einem Unwetter schwer beschädigt worden ist, soll abgerissen werden. Das bestätigte die Deutsche Bahn auf Anfrage der HNA.

Die Mieter haben am Donnerstag begonnen, auszuräumen. Die Arbeiten wurden von Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks gesichert. Das Gebäude - oder das, was davon übrig ist - ist einsturzgefährdet.

Das Unwetter am Freitag voriger Woche hatte die Dachkonstruktion des Backsteinbaus abgerissen und auf die Gleise geweht. Im betroffenen Bereich stehen nur noch die Außenwände. „Das sieht aus wie nach dem Krieg“, sagte ein Helfer des THW beim Anblick der Ruine. 25 Ehrenamtliche halfen den Mietern dabei, die Lagerräume zu leeren und passten auf, dass dabei niemand zu Schaden kam. Bis Freitag Nachmittag soll alles geräumt sein.

„Bei Regen und stärkerem Wind müssen wir abbrechen“, sagte Einsatzleiter Maximilian Dreisvogt vom THW-Ortsverein Kassel. Denn im abgedeckten Teil könnte der Mörtel des Gemäuers weggespült. Dann drohe akute Einsturzgefahr.

Ein Teil der Waren, die in dem abbruchreifen Gebäude lagerten, sei wohl noch zu retten, berichtet Dreisvogt. Unter anderem wurden dort Einbauküchen-Elemente aufbewahrt, außerdem hatte ein Großhandel dort unverderbliche Lebensmittel und Getränke deponiert. In dem Gebäudeteil, in dem die Kinderevent-Agentur Tigertatze beheimatet war, hatte das THW bereits am Wochenende die verbliebene Dachfläche mit Spanngurten gesichert. „Das ist vorerst stabil“, sagte Dreisvogt. Mehr als 230 Einsatzkräfte aus 19 Ortsvereinen in Nord- und Mittelhessen hatten nach dem Unwetter am Wochenende geholfen, das Trümmerfeld zu räumen und das Gebäude abzusichern.

Trotzdem muss auch das Tigertatze-Team ausziehen. Gestern Nachmittag waren die Mitarbeiter zusammen mit einem Gutachter der Versicherung damit beschäftigt, die beschädigten Gegenstände - vom Sofa über die Fotoausrüstung bis zur selbstgebauten Kletterwand - zu dokumentieren.

Die Deutsche Bahn sieht sich nicht in der Pflicht, für den Schaden aufzukommen. Es handele sich um „höhere Gewalt“ und nicht ein Verschulden des Eigentümers, sagte eine Sprecherin. Das Gebäude sei regelmäßig durch Baufachleute inspiziert worden. Erst im vergangenen Jahr seien Instandhaltungsarbeiten vorgenommen worden.

Das sagt ein Versicherer:

Bei einem Schaden nach einem Unwetter wie jetzt am Kasseler Hauptbahnhof sei es schwer, Ansprüche gegenüber dem Gebäudeeigentümer durchzusetzen, sagt der Versicherungsfachwirt Andreas Wiegand, der unsere Berichterstattung über die betroffenen Mieter verfolgt hat. „Bei Unwetterschäden wird in der Regel höhere Gewalt geltend gemacht“, erklärt der Generalagent der HDI Versicherungen in Baunatal. Für den Schaden komme dann eine sogenannte Inhaltsversicherung / Inventarversicherung der betroffenen Mieter auf, sofern abgeschlossen.

Der Vorteil: Diese ersetze in der Regel den Neupreis der zerstörten Gegenstände. Bei einem Haftpflichtanspruch - in diesem Fall gegenüber der Bahn - würde hingegen nur der Zeitwert ersetzt. „Daher ist die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, dem Vermieter eine Schuld an dem Schaden nachweisen zu wollen“, sagt Wiegand.

Er empfiehlt den Mietern, den Schaden über die eigene Versicherung regeln zu lassen. Diese könne, sollte tatsächlich ein Verschulden der Bahn im Sinne einer mangelnden Instandhaltung des Gebäudes vorliegen, diese in Regress nehmen.

Neben einer Inhaltsversicherung sollten Gewerbetreibende auch eine Ertragsausfallversicherung für Schäden nach Feuer oder Unwettern abschließen, empfiehlt der Fachmann.

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