Tragische Unglücke, besondere Verbindungen: Die Geschichte zweier Matrosen der "Elsa"

Heimatforscher erinnert sich an Schiff bei Zissel: Kinder steuerten Dampfer „Elsa“

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Ausflug auf der Fulda: Werner Baus (gekennzeichnet durch ein x) war 1949 mit der Unterneustädter Schule mit dem Dampfer „Elsa“ unterwegs.

Kassel. Der Zissel feiert in diesem Jahr vom 29. Juli bis 1. August seinen 90. Geburtstag. Leser schickten uns ihre Erinnerungen. Dabei sind wunderbare Geschichten ans Licht gekommen.

„Die Elsa dampft durch Kassel-Stadt, weil sie es furchtbar eilig hat.“ Mit diesen Worten lockte die Zisselgesellschaft im Nachkriegsjahr 1950 alle Kasseläner, Kasselaner und Kasseler zum beliebten Wasserfest. Dampfer „Elsa“ war in den 1950er-Jahren beim Zissel aber nicht nur auf dem Wasser zu bestaunen, sondern auch beim Festzug in der Kasseler Innenstadt, wobei hier eine umgebaute Straßenbahn als „Elsa“ diente.

Werner Baus

Heimatforscher Werner Baus aus Helsa-Eschenstruth hat von 1998 bis 2004 über„Elsa“ recherchiert und mit 160 Menschen gesprochen, die ihm Geschichten über den Dampfer erzählen konnten. Hier folgen einige Erinnerungen an den Dampfer, der bis 1971 auf der Fulda unterwegs war.

Als siebenjähriger Steppke, im Wesertor wohnend, habe er 1949 anlässlich eines Schulausfluges der Unterneustädter Schule den Dampfer „Elsa“ durch die Wolfsanger Fuldaschleife fahren beziehungsweise steuern dürfen, erzählt Baus. Kapitän Ernst Ziege habe aber natürlich auf der Brücke neben ihm gestanden. Dieses Erlebnis als Steuermann habe er vielen Kindern ermöglicht.

„Außerdem nahm uns Käpt’n Ziege des Öfteren mit, wenn wir Kinder am Anleger Hafenstraße zustiegen und in Höhe des Hafens beziehungsweise der Liegewiese Schützenstraße beziehungsweise Bleichenweg absprangen, um in den tollen Wellen, die das Schaufelrad produzierte, zu schwimmen. Es sah für Außenstehende immer lustig aus, wenn man nur die Köpfe der Badenden sah, die in den Wellen rauf und runter gingen“, so Baus.

Junger Matrose: Heinz „Henner“ Dehnhardt.

Eine besondere Verbindung zum Dampfer „Elsa“ hatte Heinz „Henner“ Dehnhardt, der auch 31 Jahre lang Vizepräsident der Zisselgilde war. Dehnhardt wurdeAnfang der 1940er-Jahre mit 13 als Matrose auf dem Dampfer ausgebildet. Danach, so Baus, durfte der junge Dehnhardt mit 230 Fahrgästen allein mit dem Dampfer von der Hafenstraße bis zur „Grauen Katze“ fahren. Kapitän Ziege blieb zu Hause und rief lediglich beim Schleusenwärter Otter im Wolfsanger an und sagte zu ihm: „Pass auf, dass der Junge nicht zu schnell in die Schleuse einfährt!“

Dehnhardt starb im Jahr 2004 im Alter von 76 Jahren.

Verletzter Matrose: August Hilpert verlor bei einem Unfall auf dem Dampfer einen Fuß.

Baus berichtet auch von einem tragischen Erlebnis am 24. August 1953. Damals gab es an der Einfahrt zum Kasseler Hafen eine Löschübung, die einen vermeintlichen Brand auf dem Dampfer simulieren sollte. Der Dampfer, voll mit Gästen, hielt in Höhe der Hafeneinfahrt an und Ernst Ziege habe noch mehr Gäste von der Liegewiese Schützenstraße zusteigen lassen. Leider lag der Dampfer dadurch auf einer Sandbank fest. Der Schlepper „Nieste“ kam aus dem Hafen und versuchte, die „Elsa“ freizuschleppen. Matrose August Hilpert befestigte das Stahlseil am Dampfer, achtete aber nicht darauf, dass er mit einemFuß noch in der Stahlschlinge stand. Als die „Nieste“ anzog, wurde ihm ein Fuß abgetrennt. Matrose Köhler aus der Hafenstraße versuchte noch, mit einem langen Haken den wegschwimmenden Fuß zu erwischen. Vergeblich. August Hilpert wurde nach dem Unfall in einer Gehschule in Marburg therapiert. Anschließend trat er wieder seinen Dienst auf der „Elsa“ an. August Hilpert starb 1998.

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