4050 Tonnen Stahl und 35.000 Kubikmeter Beton

Vor 25 Jahren: Hier entstand Kassels erste Galerie

Wilder Parkplatz und viel Unrat: So präsentierte sich die Kriegsbaulücke im Jahr 1982, auf der neun Jahre später die „Kurfürsten Galerie“ entstehen sollte. Im Vordergrund ist die Mauerstraße zu sehen, hinten die Lutherkirche. Archiv: Baron

Kassel. Wild parkende Autos, Gestrüpp und viel Müll: So präsentierte sich das brachliegende Grundstück zwischen Mauerstraße und Spohrstraße noch bis in die 1980er-Jahre.

Mitten in der Innenstadt klaffte seit 1943 eine große Kriegsbaulücke, für die es viele Pläne gab, die oft genug scheiterten. Erst am 25. September 1991, also vor 25 Jahren, war damit Schluss: Damals eröffnete mit der „Kurfürsten Galerie“ Kassels erste große Einkaufsgalerie.

Zunächst hatte die Stadt geplant, auf dem Areal ein Parkhaus zu bauen. Schließlich verkaufte sie das Areal 1980 an die Allianz AG, die dort einen Komplex aus Einkaufspassage und Wohnungen ansiedeln wollte. Das Vorhaben wurde aber so nie umgesetzt.

Der Richtkranz weht: Im Jahr 1990 stand bereits der Rohbau der „Kurfürsten Galerie“. Archiv: Lantelmé

Neue Investoren kamen 1986 ins Boot. Die Brandkasse übernahm das Ruder bei der Projektentwicklung. Nun sollte für 75 Mio. DM eine Galerie entstehen, die mit dem damaligen Karstadt-Kaufhaus auf dem Königsplatz über einen Zwischenbau verbunden werden sollte. Schon damals hatte Mövenpick Interesse bekundet, ein Hotel zu integrieren.

Abermals wurden die Pläne umgeworfen und schließlich stand das Projekt „Kurfürsten Galerie“, das nun 125 Mio. DM kosten sollte. Bauherrn waren die Brandkasse und die Nürnberger Lebensversicherung. 1989 begann der Bau: 120 Bauarbeiter brauchten zweieinhalb Jahre, um 4050 Tonnen Stahl und 35.000 Kubikmeter Beton zu verbauen. „Der neue Charme der City“ lautete der Werbespruch der Galerie.

Die Hoffnung der Stadtpolitiker war , dass die Innenstadt mit der Eröffnung der 11.000 Quadratmeter großen Galerie auch nach Ladenschluss ihre Anziehungskraft behält. Dafür sollte etwa das Marché-Restaurant von Mövenpick sorgen. Größter Magnet war aber die Filiale der Technikkaufhauskette „Brinkmann“, die 2001 Insolvenz anmeldete. 

Der Wegfall von Brinkmann war aber nicht das einzige Problem, mit dem die Galerie um die Jahrtausendwende zu kämpfen hatte. Mit der Königsgalerie (1995) und dem City Point (2002) war neue Konkurrenz entstanden. So übernahm 2002 Gerhard Jochinger, der Macher der Königs-Galerie, die Geschäfte. Er richtete die Galerie neu aus, holte die Spielbank, einen Aldi-Markt und Fitness- und Wellnesscenter ins Haus. Elf Mio. Euro kostete der Umbau.

Es sollte sich lohnen: Inzwischen steht die „Kurfürsten Galerie“ wieder gut da. Neben dem Hotel, das inzwischen zur „Best Western“-Kette gehört, gibt es 40 Geschäfte. Auf 2000 Quadratmetern wird Gastronomie im Erdgeschoss angeboten. 2008 wurde die Galerie an die niederländische „Kurfürster GmbH“ verkauft, die Anfang 2016 wiederum von der Frankfurter Demire AG geschluckt wurde.

„Nach 25 Jahren ist Zeit für einen Umbruch. Einige Mietverträge laufen aus. Aber wir haben keine Probleme, die freien Flächen mit attraktiven Mietern zu belegen“, sagt Galerie-Geschäftsführer Jörg Meiners. Namen der Filialisten wolle er noch nicht nennen.

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