Insolventer Betrieb machte illegale Geschäfte

Insolvenz: Firma Flip Inn schließt fünf Spielhallen in Kassel

Geschlossen: Die „Flip Inn“-Spielhallen am Druselturm und der Friedrich-Ebert-Straße waren jahrelang in illegaler Weise verpachtet worden. Die Pächter besaßen überhaupt keine eigene Konzession für den Betrieb.

Kassel. Nichts geht mehr: In den fünf Spielhallen der Kasseler Firma „Playmont Flip Inn“ sind die Rollläden dicht. Das Unternehmen hatte bereits Ende Juli Insolvenz beantragt.

Bei der Abwicklung des Betriebs mit seinen einstmals 15 Mitarbeitern flog jetzt auf, dass der langjährige Eigentümer zwei seiner Spielstätten in illegaler Weise betreiben hatte. 

Für den Kasseler Insolvenzverwalter Simon Braun gibt es nichts zu retten. „Das ist ein reines Abwicklungsverfahren. Beim Schuldner sind einige Verbindlichkeiten aufgelaufen. Den Mitarbeitern wurde bereits vor der Insolvenz gekündigt und zwei der Spielhallen waren zwangsgeräumt worden“, teilt Braun auf HNA-Anfrage mit. Inzwischen seien sämtliche Mietverhältnisse gekündigt – die Spielhallen sind verwaist.

Verpachtung nicht zulässig

Dabei hatte die Firma Playmont Flip Inn in früheren Jahren das große Rad gedreht: Fünf Spielhallen, eine an der Friedrich-Ebert-Straße, eine am Druselturm und drei an der Kölnischen Straße, wurden von ihr betrieben. Doch der Geschäftsführer ging dafür auch illegale Geschäfte ein. Er verpachtete seine Hallen am Druselturm und an der Friedrich-Ebert-Straße über mehrere Jahre an Dritte. „Dies ist verboten. Konzessionen für Spielhallen können nicht verpachtet werden. Hätte die Stadt davon vorher Kenntnis gehabt, wäre die Konzession längst eingezogen worden“, sagt Stadtsprecher Sascha Stiebing auf HNA-Anfrage.

Das Geschäftsmodell flog allerdings erst auf, als die Pächter nach der Insolvenz des Eigentümers die Hallen in Eigenregie weiterführen wollten. Bei der Gewerbeanmeldung im Rathaus wurden sie über die Gesetze aufgeklärt. Dort erfuhren sie, dass sie auf Basis eines unzulässigen Geschäfts Geld verdient hatten.

Insolvenzverwalter Braun sah sich ebenfalls mit Wünschen konfrontiert, die er nicht erfüllen konnte: „Mir wurde von den ehemaligen Mitarbeitern vorgeschlagen, ich solle den Betrieb mit den alten Pächtern fortführen.“ Als Rechtsanwalt werde er kein illegales Geschäftsmodell am Leben halten, auch wenn ihm das für die Mitarbeiter leid tue.

Sicher keine Spielhalle mehr

Es ist nicht zu erwarten, dass in den ehemaligen Spielhallen wieder Glücksspiel stattfindet. Denn Konzessionen werden inzwischen wesentlich zurückhaltender von der Stadt erteilt als früher. Zudem wird 2017 eine Gesetzesänderung wirksam, die dem Schutz von Spielsüchtigen dienen soll. So muss zwischen Spielhallen ein Abstand von 300 Metern gewährleistet sein und es dürfen nur noch maximal zwölf Automaten pro Lizenz aufgestellt werden.

„Es ist zu erwarten, dass durch die Gesetzesänderung ein Drittel aller Hallen schließen werden“, sagt Insolvenzverwalter Braun. Zuletzt gab es noch 35 Spielhallen in Kassel, die einen Jahresumsatz von 20 Mio. Euro gemacht haben.

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