20 Jahre Theaterstübchen in Kassel: Markus Knierim - Der Unermüdliche

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Markus Knierim

Kassel. Der Clubbesitzer hat das Theaterstübchen in 20 Jahren zur kulturellen und szenigen Institution gemacht

Kassel. Eine Kasseler Institution wird heute 20 Jahre alt: das Theaterstübchen. Markus Knierim hat den Club seit 1996 zum Szenetreff gemacht.

Anfang und Experimente

Schräge Dekos: Markus Knierim 1998 in seinem Theaterstübchen mit künstlicher Dame.

Am Steinweg fing alles an. Nachdem der Laden in den 60ern unter Leitung von Margret Sohl schon mal ein Künstlerlokal war, sollte es wieder eins werden. Und das gelang, legendär sind etwa die Nächte nach den Aufführungen des schrägen Singspiels „Im weißen Rössl“ am Staatstheater, wenn die ganze Band aus dem Theater nach der Aufführung ins Stübchen wechselte und kurzerhand dort aufspielte. „Ich dekorierte je nach Theater-Spielplan mehrfach im Jahr um“, erinnert Knierim sich. Und auch an Nächte, bei denen bis zum Morgengrauen getanzt wurde, bei denen er Champagner und Austern servierte. Eine Lesung von Claus Quadflieg und Connie Strack stand ganz am Anfang.

Der damalige Namenszusatz „Am Nil“ kam durch die Zigarettenmarke mit der blauen Schachtel, die Knierim in seinen beiden Automaten ausschließlich anbot. Im Konzern wurde man beim Betrachten der Verkaufsstatistik auf Kassel aufmerksam - die Verleihung eines Pharao-Titels war der Dank.

Die Entwicklung

Flic-Flac-Artisten fuhren mit den Motorrädern direkt auf die Theke: Alex Ramin, Vesko Lesev, Marco Simeonow und Tom Kastein (von vorn) 2001 im Theaterstübchen bei Markus Knierim. Archivfoto: Herzog

„Fürs Bier“ spielten die ersten Musiker kleine Jazzkonzerte bei dem gebürtigen Kasseler. „Ich bin als Veranstalter ins kalte Wasser gesprungen“, sagte er. Ärger mit Gema, die „von Anfang an draufgeschaut hat“ und Künstlersozialkasse war absehbar. Im nächsten Laden, der ehemaligen Bimmel (heute: Il Teatro) hatte der Kneipier dann plötzlich doppelt so viel Platz, außerdem einen geliehenen E-Stutz-Flügel – „das war schon was“. Hier erinnert sich Markus Knierim an wilde Abende mit den Zirkusleuten von Flic Flac. Die kamen nach den Vorstellungen vom Friedrichsplatz eben noch rüber, im Garten brutzelte die Paella in riesigen Pfannen, und innen war alles in den Flic-Flac-Farben schwarz und gelb dekoriert.

Der Veranstalter

Heute, an der Jordanstraße, hat Markus Knierim keinen Kneipenbetrieb mehr, ist nur noch Veranstalter. Konzerte und Discoabende prägen das Programm, ein Highlight in Kassels Kulturkalender ist der Jazzfrühling. Vor allem die Qualität des Sounds spricht sich in der internationalen Musikerszene rum, und so gastieren bei ihm Leute, die sonst wohl nicht in einem Club und einer Stadt dieser Größe auftreten würden. Herausforderung für die nächsten Jahre: Den Generationenmix hinzukriegen, bei Disco wie Konzerten.

Jubiläen

Gefeiert wird jetzt nicht. Erst zum 25-jährigen Bestehen. Und vielleicht zum 40. Jahr seiner Gastro-Tätigkeit, die Markus Knierim 2018 feiert. An seinem 16. Geburtstag hatte der heute 54-Jährige in der Branche angefangen: Als „Gläserholer im Truthahn“.

www.theaterstuebchen.de

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