Viele kommen nicht aus Kassel

AfD läuft mit Nazis: Studie klärt auf über Teilnehmer der Kagida-Demos

Kassel. Wer geht Woche für Woche zu den Kundgebungen der Gruppierung „Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Kagida)?

In einer Mini-Studie hat das Mobile Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtsextremismus für demokratische Kultur in Hessen (MBT) das untersucht und seine Erkenntnisse über die jeweils 80 bis 200 Teilnehmer nun veröffentlicht.

Demnach kommt „ein sehr großer Teil der Personen von außerhalb”. Zwar orientiere sich Kagida stark an der Gruppierung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) in Dresden. „Im Gegensatz zu Dresden gelingt es Kagida aber nicht, eine wachsende Zahl Kasseler Bürger zu mobilisieren“, heißt es in der Expertise des MBT.

Kagida-Organisator Michael Viehmann war an den teils äußerst gewalttätigen Aufmärschen von „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) in Köln und Hannover beteiligt und hat auch dazu aufgerufen. Das MBT schreibt dazu: „Während Hogesa eindeutig dem Hooligan- und Neonazispektrum zuzuordnen war, ist die Beteiligung an Kagida zwar gemischter, aber immer noch mit einem wesentlichen Anteil aus dem eindeutig rechtsradikalen Spektrum.“ In diesem Umfeld marschiert die sich bürgerlich gebende Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Person von Manfred Mattis, Sprecher des Kreisverbandes Kassel-Stadt, regelmäßig seit Anfang Dezember mit.

Zu den Teilnehmern der Kagida-Kundgebungen waren nach Erkenntnissen des MBT unter anderem Anhänger und Mitglieder folgender Neonazi-Gruppen gekommen: Kameradschaft Freier Widerstand Kassel, Kameradschaft Sturm 18 Kassel, Kameradschaft Eichsfeld, unorganisierte Neonazis mit einschlägigen Internetauftritten, Teilnehmende von Hogesa (Hooligans gegen Salafisten) in Hannover und Köln, NPD (Wetterau, Hersfeld-Rotenburg, Eichsfeld) sowie rechtsradikale Hooligans und Fans des KSV Hessen Kassel.

Aus diesen Gruppen heraus sei es auch zu Gewaltausbrüchen gekommen, obwohl die Kagida-Veranstaltungen sonst gewaltfrei verlaufen sind. Am 22. Dezember sei jedoch eine etwa 20-köpfige Gruppe junger Männer mit „Hooligan“-Rufen auf Gegendemonstranten losgegangen. Insofern unterscheide sich Kagida auch: „Der Neonazi-Anteil ist an jedem einzelnen Montag bei weitem höher als in Dresden, was für fast alle Städte in Deutschland gilt“.

Kagida sei als Form des modernen Rechtspopulismus’ einzustufen, der sich in den vergangenen Jahren immer häufiger als „Bürger- und Protestbewegungen“ tarne. Der Wissenschaftler Alexander Häusler von der Fachhochschule Düsseldorf spricht in diesem Zusammenhang von „einer perfiden Spielform des politischen Mimikry (...): Demokratiefeindlichkeit inszeniert als bürgerschaftliches Engagement“. (clm)

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Hintergrund: Mobiles Beratungsteam gesichert

Das Mobile Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtsextremismus – für demokratische Kultur in Hessen (MBT) ist ein Verein, der zum Beratungsnetzwerk Hessen gehört. Die in Marburg ansässige Einrichtung beobachtet die rechtsextreme Szene und berät Betroffene, die aus der Szene aussteigen oder anderen dabei helfen wollen.

Das Beratungsnetzwerk wird im Zuge des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ ein Demokratiezentrum und bekommt Geld aus Bundes- und Landeshaushalt. Von der gesicherten Finanzierung profitiert auch das MBT. Zugleich ist es künftig als Außenstelle für Nord- und Osthessen zuständig.

www.mbt-hessen.org

 

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