1,6 Millionen Euro

Mehr grüne Wellen für die Innenstadt: Kassel investiert in Ampeln

Ampeltechnik soll aufgerüstet werden: Auf dem Innenstadtring sowie der Friedrich-Ebert-Straße und Goethestraße soll der Verkehrsfluss verbessert werden. Davon betroffen ist auch die stark belastete Rathauskreuzung. Foto: Ludwig

Kassel. Die Stadt Kassel modernisiert bis 2018 für 1,6 Mio. Euro ihre Ampelsteuerungen in der Innenstadt. Ziel ist es, die Halte vor Ampeln zu reduzieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie genau will die Stadt die Ampelschaltungen in der Innenstadt verbessern?

Im Wesentlichen soll die Kommunikationstechnik und die Vernetzung der Kasseler Ampeln untereinander sowie mit der Verkehrszentrale verbessert werden. Dafür werden zum Teil neue Glasfaserleitungen verlegt. Zudem werden die Anlagen für den Einsatz moderner Fahrassistenzsysteme vorbereitet, die zukünftig in den Bordcomputern von Neuwagen beziehungsweise auf Smartphones als Grüne-Welle-App zur Verfügung stehen werden.

Was bringen diese technischen Neuerungen konkret?

Die Modernisierung hat mehrere Effekte. Zum einen werden die Ampelschaltungen für Bus und Bahn optimiert. Auch künftig werden diese an vielen Ampeln Vorrang haben, allerdings werden ihre Grünphasen passgenauer ausfallen.

Das heißt, der andere Verkehr kommt erst zum Stehen, wenn der Bus oder die Bahn tatsächlich über die Kreuzung fährt. Bislang gibt es zum Teil einige Sekunden unnötigen Puffer, der zu Gunsten der anderen Verkehrsteilnehmer minimiert wird.

Was soll sich noch verbessern?

Zukünftig werden die Ampeln Daten für so genannte Fahrassistenzsysteme zur Verfügung stellen. Es werden derzeit Systeme für Bordcomputer entwickelt, die Autofahrern anzeigen, mit welchem Tempo sie an eine Ampel fahren müssen, um noch bei Grün die Kreuzung passieren zu können bzw. ihnen anzeigen, dass sich eine Beschleunigung nicht mehr lohnt.

Ähnliches bieten Grüne-Welle-Apps fürs Handy, die bereits getestet werden und bis 2018 zur Verfügung stehen sollen. Die Stadt Kassel ist über das Forschungsprojekt „Ur:ban“ der Uni Kassel in die Entwicklung eingebunden.

Welche Ampeln werden mit der neuen Technik ausgestattet?

In einem ersten Schritt werden sämtliche Ampelanlagen im erweiterten Innenstadtbereich aufgerüstet. Das betrifft die Abschnitte Stern-Altmarkt, Altmarkt-Rathaus, Rathaus-Ständeplatz sowie Lutherplatz, Katzensprung, Holländischer Platz, Goethestraße und Friedrich-Ebert-Straße. Für mehr reicht das Geld erstmal nicht. Es ist aber geplant, irgendwann alle 250 Anlagen mit insgesamt 3756 Ampeln zu modernisieren.

Kassel ist eine der ersten Städte in Deutschland, die ihre Ampeln für die neue Verkehrssteuerungstechnik vorbereitet.

Wie sehr werden Autofahrer den Effekt spüren?

Durch die verbesserte Ampel-Steuerung für Bus und Bahn werden sich die Grünphasen der anderen Verkehrsteilnehmer nur um zwei bis drei Sekunden verlängern. Das heißt, es werden maximal ein bis zwei Autos mehr über eine Ampel kommen als bislang.

Auch die Datenübertragung für die Fahrassistenzsysteme wird sich vor allem auf den individuellen Spritverbrauch auswirken. Nach einer Studie werden die Halte um bis zu zehn Prozent reduziert.

Das heißt, es wird viel Geld für wenig Wirkung ausgegeben?

“Wenn ein Autofahrer künftig auf dem Weg in die Stadt neun statt zehn Mal vor einer Ampel warten muss, wird es das vermutlich kaum merken“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Auf den gesamten Stadtverkehr betrachtet habe eine zehn prozentige Reduzierung der Halte aber eine deutliche Auswirkung auf den Schadstoffausstoß und den Lärm.

Woher kommt das Geld für das Projekt und bis wann soll es umgesetzt sein?

Das Geld kommt zu 90 Prozent aus dem Kommunalen Investitionsprogramm von Bund und Land. Vorgabe des Bundes ist, dass mit dem Geld vor allem die Luftreinhaltung voran gebracht werden muss. Da das Geld bis Ende 2018 investiert sein muss, müssen sämtliche technische Verbesserungen bis dahin auch umgesetzt sein.

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