Kassels ältester Fahrradhändler: Zahn Zweirad besteht seit 120 Jahren

Mekka für Mopedfans: In den 1970ern gehörte die Zündapp oder Hercules dazu wie heute das Smartphone. Foto: privat

Kassel. Seit sich Kasseler ab der Kaiserzeit vermehrt aufs Fahrrad wagten, ist die Firma Zahn mit Rädern zu Diensten.  Nun feiert Kassels ältester Fahrradhändler 120. Geburtstag.

Das Familienunternehmen in der vierten Generation wurde 1896 gegründet und ist seit Kriegsende an der Garde-du-Corps-Straße in der Innenstadt ansässig.

Mit der zentralen Lage, einem Schwerpunkt auf alltagstauglichen Rädern und einem persönlich-familiären Service hat sich das Unternehmen durch all die Jahrzehnte behauptet und einen treuen Stammkundenkreis bewahrt. Die Klientel des Hauses schätzt besonders, dass sie mit kleineren Fahrrad-Wehwehchen mal schnell vorbeikommen kann und sich dafür weder in die Fachmarktwüsten des Umlandes bemühen noch in Extremsportler-Schmieden belehren lassen muss.

Ein wenig „alte Schule“ gehöre zum Profil des Hauses, sagt Inhaber Andreas Zahn, der Urenkel des Firmengründers. Gleichwohl sei der Fünf-Mitarbeiter-Betrieb stets auf dem aktuellen Stand der Technik - in der Werkstatt durch ständige Fortbildung, im Sortiment sei man auch schon mal der Konkurrenz voraus: „Wir hatten E-Bikes schon vor 20 Jahren - lange bevor der aktuelle Boom einsetzte“, sagt Andreas Zahn.

Vierte Generation im Familienbetrieb: Inhaber Andreas Zahn in den Räumen des Fahrradgeschäfts an der Garde-du-Corps-Straße.

Nach beruflichen Lehr- und Wanderjahren war der gelernte Maschinenschlosser, Bürokaufmann und Feinmechanikermeister 1992 nach Kassel zurückgekehrt und in den elterlichen Betrieb eingetreten. Vater Wolfgang Zahn hatte die Firma in den 1960er- und ’70er-Jahren als Treffpunkt für Moped- und Motorradfans etabliert - die damals begehrten Jugendflitzer von Kreidler, Hercules und Zündapp gab es bei Zahn ebenso wie größere Maschinen von Honda und Yamaha.

Wolfgang Zahn war seinerzeit selbst ein erfolgreicher Motorrad-Trial-Fahrer, der an internationalen Wettbewerben teilnahm und zweimal Deutscher Vizemeister wurde. Seine Frau Heidi Zahn, 2007 verstorben, wirkte damals ebenso tatkräftig in dem Traditionsbetrieb. Sohn Andreas denkt beeindruckt daran zurück, „wie sie als Geschäfts- und als Hausfrau immer alles im Griff hatte, und das mit Leichtigkeit und einer gesunden Portion Humor“.

Heute ist Zahn ein reines Fahrradgeschäft, die Sparte Motor-Zweiräder wurde in den 1990ern aufgegeben. Ein anderes Geschäftsfeld aus der Firmenhistorie spielt allerdings noch heute eine Nebenrolle: Haushalts- und Industrienähmaschinen.

Für damalige große Textilunternehmen wie Enka, Salzmann und Gottschalk hatte die Firma Zahn solche Nähmaschinen geliefert und gewartet. „Früher hatten wir dafür eigens einen Außendienst“, erzählt Andreas Zahn. Für wenige Industriekunden erbringt Zahn diesen Service noch heute persönlich - ebenso wie für Kasseler Berufsschulen, die Nähmaschinen betreiben.

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