Geboren am 3. Oktober 1990 im Rot-Kreuz-Krankenhaus

Junge von Eltern aus Ost und West: Kassels Einheits-Baby geht es gut

Damals: Am 5. Oktober 1990 berichtete die HNA über „Kassels Einheits-Baby“, das zwei Tage zuvor als Kind von Eltern aus Ost und West geboren wurde.

Kassel. Am Tag der Wiedervereinigung kam es im Kasseler Rot-Kreuz-Krankenhaus zu einem schönen Zufall: Mit dem kleinen Georg erblickte ein Junge das Licht der Welt, dessen Eltern aus Ost und West stammen.

Zum damaligen Zeitpunkt war dies eine Seltenheit und unsere Zeitung berichtete groß über „Kassels Einheits-Baby“. Genau 26 Jahre später machten wir uns auf Spurensuche nach dem Mann, der einst 4000 Gramm wog und 55 Zentimeter groß war.

Und heute: Eine aktuelle Aufnahme von Georg Frenck.

Mit vollem Namen heißt das Baby von damals Georg Joachim Frenck. Weil dies kein Allerweltsname ist, war es nicht schwer, den Gesuchten ausfindig zu machen. Als sich die HNA bei ihm meldete, war er aber doch überrascht.

Georgs Vater Jochen Frenck hatte seinerzeit auf der Säuglingsstation die Hoffnung geäußert, dass sich sein Sohn mal um die Beziehungen der Menschen in Ost und West kümmern werde. Hauptsächlich ist dieser 26 Jahre später vor allem mit seiner Promotion am Mathematischen Institut der Universität Münster beschäftigt.

„Ost und West kein Thema“

Die Frage nach den Unterschieden von Ost und West ist für den angehenden Wissenschaftler heute keine mehr. „Das ist nur noch in den Köpfen Thema. Tatsächlich gibt es nur wenig, was Menschen in Ost und West unterscheidet“, sagt Frenck. Zwischen einem Schwaben und einem Hamburger seien die Differenzen jedenfalls größer, ist sich Frenck sicher.

In Kassel selbst blieb seine Familie damals nicht lange. „Mein Vater ist zwar in Fritzlar geboren, wuchs aber in Münster auf. Zur Promotion in Physik war er Ende der 80er-Jahre an die damalige Gesamthochschule (GhK) gekommen“, erzählt der Sohn.

Seine Mutter Nicola Frenck ist gebürtige Leipzigerin. Das Paar hatte sich 1984 bei einem Urlaub auf einem Prager Campingplatz kennengelernt. Später hielten sie über Briefe den Kontakt über die Mauer hinweg aufrecht. Bei einem gemeinsamen Urlaub in Bulgarien kam man sich schließlich näher. 1989 stellte Nicola einen Ausreiseantrag, der so kurz vor dem Mauerfall auch bewilligt wurde.

Ein halbes Jahr nach der Geburt von Georg zog die junge Familie weg aus Kassel. Die Stationen führten über München, Cottbus und Saarbrücken. Heute lebt Georg Frenck wieder in Münster, seine jüngere Schwester studiert aber an der Universität Kassel Bauingenieurwesen.

„Auf meinen ungewöhnlichen Geburtstag werde ich eher selten angesprochen. Es freut mich natürlich, an meinem Geburtstag immer frei zu haben“, sagt Frenck.

Statt sich im Sinne seines Vaters um die Versöhnung von Ost und West zu kümmern, steht für ihn nun die Promotion an. Im Jahr 2018 will er den Doktortitel in der Tasche haben.

Eine Karriere an der Uni kann sich „Kassels Einheits-Baby“ gut vorstellen. Damit zumindest würde Georg Frenck in die Fußstapfen des Vaters treten.

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