Knast für elffachen Staubsauger-Betrug

Zwei Kasseler hatten elf Geräte bestellt, aber keinen Cent bezahlt. Zahlreiche Vorstrafen vermasselten nun die Bewährung.

Auch ein so profaner Alltagsgegenstand wie ein Staubsauger kann einen hinter Gitter bringen. Diese Erfahrung machte gestern ein 33-jähriger Angeklagter aus Kassel, der wegen gewerbsmäßigen Betruges vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde.

Sein 32 Jahre alter Kumpel, ebenfalls aus Kassel, erhielt die gleiche Strafe, allerdings wurde sie bei ihm zur Bewährung ausgesetzt. Der Unterschied: Der Ältere hat bereits sieben Verurteilungen wegen Betruges auf dem Konto und stand wegen früherer Verurteilungen gleich unter zweifacher Bewährung.

Sein Freund hingegen ist bisher zwar ein halbes Dutzend Mal meist wegen Verkehrsdelikten mit der Justiz zusammengerasselt, aber eben nicht einschlägig wegen Betruges.

Was war geschehen? Im November 2014 ging am alten Vorwerk-Staubsauger des 33-Jährigen der Bürstenkopf kaputt, bei der Service-Nummer bestellte er Ersatz. Stattdessen kam ein Berater ins Haus und stellte beiden Männern in einer vierstündigen Präsentation das gesamte Vorwerk-Programm vor. Am Ende bestellte jeder der beiden Angeklagten ein Gerät, wohl wissend, dass ihnen eigentlich das Geld dafür fehlte.

Dabei stellte sich heraus, dass der jüngere Angeklagte mit dem Berater zusammen zur Schule gegangen war. Weil der Kunde wegen eines Schufa-Eintrages nicht kreditwürdig war, zerriss der Berater den Vertrag und stellte einen neuen auf einen anderen Namen aus.

Obwohl kein Geld für die beiden ersten Geräte floss, bestellte der 32-Jährige wenig später zwei weitere, danach noch mal acht - angeblich für das Hotel eines Onkels in der Türkei. Wohl gemeinsam kamen die Schulfreunde auf die Idee, den Kunden an den Provisionen zu beteiligen. Der Berater wollte einige der Kleingeräte zurückkaufen. Richterin Ferchland: „Irgendwie haben alle drei zusammen gearbeitet: Der Verkäufer wollte die Provision von 30 Prozent kassieren, die beiden Angeklagten die Geräte weiter verkaufen.“

Erst der letzte Deal, als diesmal gleich 30 Staubsauger bestellt wurden, kam nicht mehr zustande: Der Berater hatte wohl kalte Füße bekommen und den Auftrag nicht mehr an Vorwerk weiter gegeben.

Die beiden Verteidiger hatten Freispruch für ihre Mandanten gefordert. Die beiden seien nicht gerade „Intelligenzbestien“ und Opfer „übelster Geschäftsgebaren“ mit getürkten Kaufverträgen, Fantasierabatten und obskuren Geräte-Rückkaufversprechen durch den Berater geworden, der heute nicht mehr für Vorwerk tätig ist.

Beide Verteidiger kündigten Berufung gegen das Urteil an.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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