Nicht jeder kommt zum Kaufen

Königsstraße in Kassel: Mehr Passanten, weniger Umsatz in Geschäften

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Zentrale Einkaufsmeile für Kassel und die Region: Auf der Oberen Königsstraße ist laut einer Erhebung die Passantenfrequenz seit einigen Jahren eher eher stärker geworden.

Kassel. Als Einkaufsmeile kann sich die Kasseler Königsstraße sicher nicht mit deutschen Spitzenadressen wie der Frankfurter Zeil oder der Kaufingerstraße in München vergleichen.

Doch in der Liga der mittelgroßen Städte (100.000 bis 250.000 Einwohner) spielt Kassels Zentrum vorne mit, was die Besucherfrequenz angeht:Innerhalb dieser Gruppe liegt die Königsstraße bei der JLL-Passantenzählung auf Platz 8 von 48, deutlich vor größeren Städten wie Braunschweig, Aachen, Mainz und Kiel.

So optimistisch die Zahlen in dieser Untersuchung klingen: Kaufleute in Kassels Innenstadt berichten anderes. Seit eineinhalb Jahren klagt die Mehrheit von ihnen über Umsatzrückgänge. Als Hauptgrund dafür wird die deutliche Gebührenerhöhung auf den städtischen Parkplätzen seit Herbst 2014 genannt.

Mehr Innenstadtbesucher, weniger Umsatz – das müsse nicht unbedingt ein Widerspruch sein, sagte Martin Schüller, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord: Es könne durchaus sein,dass trotz insgesamt steigender Passantenzahlen verstärkt darauf verzichtet werde, mit dem Auto in die City zu fahren. „Wir wissen, dass Autofahrer deutlich mehr Geld bei ihren Einkaufstouren ausgeben als Radler, Fußgänger oder Tram-Passagiere“. Das mache sich möglicherweise bemerkbar, sagte Schüller.

Ähnlich äußerte sich Gerhard Jochinger, Vorsitzender der City-Kaufleute. „Wenn die Leute vermehrt in die Stadt kommen, heißt das nicht unbedingt, dass sie auch kaufen.“

In der JLL-Untersuchung heißt es, dass immer mehr Gastronomieangebote an den Einkaufsstraßen mit ein Grund dafür seien, dass mehr Leute in die Innenstädte kämen. Jochinger begrüßt das prinzipiell: „Das ist eine der wenigen Chancen, die wir haben, um uns zu behaupten.“ Nur gehe dies nicht automatisch mit einer besseren Umsatzlage bei den Einzelhändlern einher.

Jochinger steht der Untersuchung zur Publikumsfrequenz in Einkaufsstraßen eher skeptisch gegenüber – aus zwei Gründen: Zum einen sei Studien-Urheber JLL im Geschäft mit Gewerbeimmobilien und auch Verhandlungspartner von Filialisten in Innenstädten. „Da ist einiger Zweckoptimismus dabei“, meint der City-Kaufleute-Vorsitzende.

Mehr zur Kasseler Königsstraße lesen Sie auch in unserem Regiowiki.

Zum anderen würden die jährlichen Publikumszählungen immer punktuell an einem Samstag vorgenommen. Jochinger sagt, das habe nur eine begrenzte Aussagekraft: „Die Samstage laufen nach wie vorgut. Aber an den anderen Wochentagen kommen nach unserer Beobachtung weniger Menschen in die Stadt als früher – insgesamt sehen wir eher einen leichten Rückgang als einen Zuwachs.“

Martin Schüller vom Einzelhandelsverband sagte, es hänge nicht nur von der Zahl der Menschen in der Innenstadt ab, ob bestimmte Einzelhandelsbranchen gute oder mäßige Umsätze machen: „Bei Mode- und Schuhgeschäften etwa spielt das Wetter dafür eine ganz zentrale Rolle.“

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