Kultkneipe wird 25 Jahre alt: In Joe’s Garage wird gefeiert

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Der zehnte Geburtstag 2001: Die Chefs Carsten Bischoff (links) und Dirk van der Werf.

Kassel. Vor 25 Jahren eröffnete Carsten Bischoff an der Friedrich-Ebert-Straße Joe's Garage. Mittlerweile ist das Lokal zur Kultkneipe auf der Meile geworden.

„Früher haben wir hier montags abgehangen und über die Alkoholexzesse und Frauengeschichten vom letzten Wochenende geredet. Heute sitzen wir hier und sprechen über Krankheiten und Bausparverträge", formuliert es Carsten Bischoff etwas überspitzt. 25 Jahre ist es her, dass Bischoff, seinen Gästen besser bekannt als C.B., zusammen mit seinem Kumpel Michel Deeg eine Kneipe im amerikanischen Garagen-Stil eröffnet hat: Joe’s Garage.

Die Wirte 

Joe’s Garage ist die einzige Lokalität auf der Kneipenmeile an der Friedrich-Ebert-Straße, die seit Anfang an noch vom selben Wirt betrieben wird. Nachdem Deeg 1996 ausgestiegen war, wurde Dirk van der Werf, der dort vom ersten Tag Stammgast und dann DJ war, neuer Partner von Bischoff. Beide sind aber längst nicht nur noch Geschäftspartner. „Manchmal denke ich, wir sind wie ein altes Ehepaar, der eine sagt, was der andere denkt. Herr Bischoff ist nach wie vor meine längste Beziehung“, sagt van der Werf, der aus zwei Beziehungen eine Tochter und einen Sohn hat. Bischoff hat seine Lebensgefährtin in der Garage kennen gelernt. Die beiden haben drei Kinder.

Das Publikum

Die beiden Gastronomen haben nicht nur hautnah miterlebt, wie hier Freundschaften entstanden und Affären ihren Lauf nahmen, sondern auch, wie viele Menschen ihren späteren Ehepartner kennen gelernt haben. „Mittlerweile sind Kinder von früheren Gästen unsere Gäste“, sagt Bischoff (56).

Insgesamt habe sich aber seit 1991 das Alter des Publikums verändert. Am Anfang waren die einst in ihrem Auftreten individuelleren Garagen-Gänger um die 20. Heutzutage sind die Gäste zwischen 20 und 60. Jeden Vormittag halten sich in dem Laden auch Stammgäste im Alter von über 70 Jahren auf. „Daran sieht man auch, dass wir im Stadtteil angekommen und von den Nachbarn akzeptiert sind“, sagt van der Werf (46).

Die Institution

Der erste Abend in Joe’s Garage vor 25 Jahren: DJ Olaf Moll (links) und Chef Michel Deeg im Mechaniker-Outfit. Foto:  Privat

Dass Joe´s Garage längst zu einer Institution geworden ist, liegt sicher auch an den vielschichtigen Aktivitäten. Neben den Live-Konzerten und Partys (darunter die legendären Tuntenbälle und Lack-und-Leder-Partys) ist die Garage seit vielen Jahren ein Treffpunkt für Handballer und Fußballfans. Hier war zum Beispiel zur EM 1996 die Geburtsstunde des Public Viewing in Kassel. Hier gab es Lesungen mit Martin Semmelrogge und Rudolf Schenker (Scorpions), an die sich Bischoff und van der Werf gern erinnern. Alt-Hippie Rainer Langhans und Schauspieler Ralf Richter würden sie nicht ein zweites Mal einladen. Und beim Kassel Marathon steigt vor Joe’s Garage mit die größte Streckenparty. Nachdem Deutschland im Februar 2016 Handball-Europameister geworden war, fand für Johannes Sellin (MT Melsungen) der Empfang in der Garage statt. Jedes Jahr am 1. Mai grillt C.B. für einen guten Zweck.

Die Belegschaft

Dem Laden sind aber nicht nur die Gäste treu, sondern auch die Belegschaft ist treu. Viele Servicekräfte haben sich durch die Arbeit ihr gesamtes Studium finanziert, bis zu 17 Jahre hier gejobbt. Seit dem ersten Tag sind Reinigungskraft Jaqueline Uhrig und Servicekraft Christoph Sauerzopf (49), der von allen Hase genannt wird, dabei. „Der Hase ist so wie Lothar Matthäus. Er spielt auch im hohen Alter auf hohem Niveau“, sagt Beatles- und Bayern-Fan Bischoff. Die beiden Chefs stehen übrigens noch jedes Wochenende selbst hinterm Tresen. Bischoff räumt aber ein, dass ihm die Lautstärke mittlerweile ziemlich fertig macht.

25. Geburtstag 

Die Feierlichkeiten zum Jubiläum beginnen am Donnerstag, 29. September, 18.30 Uhr, mit der 30-Mann-Blaskapelle „Musik im Kutscherhaus“ auf der Friedrich-Ebert-Straße. Am Freitag spielt ab 22 Uhr „Rockmachine“ mit Gästen und am Samstag steigt draußen und drinnen die große Geburtstagsparty. Am Sonntag, 2. Oktober, gibt es ab 15 Uhr dann eine Lesung mit Dirk van der Werf zu 25 Jahre Joe’s Garage.

Eigentlich wird Joe’s erst am 14. Dezember 25. Die Feierlichkeiten wurden vorverlegt, weil Chef C.B. dann schon 57 Jahre alt ist.

Kurz gefragt

Joe’s Garage hat viele Stammgäste. Einige von ihnen kommen seit der Eröffnung vor 25 Jahren regelmäßig in die Kneipe an der Friedrich-Ebert-Straße, so auch Roger Kane aus Kassel. Wir sprachen mit Stammgast Kane, der Frontmann in der Billy-Idol-Tribute-Band „Idolized“ ist, darüber, was an der Garage so besonders ist.

Roger, wann bist Du das letzte Mal in Joe’s Garage gewesen? 

Roger Kane: Jesus Christ! Frag mich lieber, wann ich mal nicht da bin. Das könnte ich leichter beantworten (laut lachend).

Wie häufig besuchst Du die Kneipe, und was machst Du dort?

Kane: Minimum fünf Mal die Woche. Okay, da sind meine Mittagspausen dabei. Was ich dort mache? Nur Blödsinn, glaube ich.

Haben sich Deine Aufenthalte innerhalb der letzten 25 Jahre verändert? 

Kane: Nee, nur die Leute drumherum.

Sind die Thekenkräfte in der Garage netter, intelligenter oder schöner als in anderen Kneipen? 

Kane: Natürlich! Keine Frage! In meinem „Wohnzimmer“ nur vom Feinsten!

Was magst Du eigentlich an der Garage ganz besonders? 

Kane: Die familiäre Atmosphäre: Die ganze Mannschaft des Ladens agiert, wie eine Familie, und so wird man von denen auch empfangen - top!

Was würdest Du in dem Laden ändern, wenn Du was zu sagen hättest? 

Kane: C.B.’s Frisur! Mit längeren Haaren sieht der Typ einfach noch cooler aus.

Gibt es ein besonderes Erlebnis, das Du mit der Garage verbindest? 

Kane: Es gibt viele Erlebnisse, aber da ins Detail zu gehen, würde jetzt den Rahmen sprengen und eventuell auch Persönlichkeitsrechte verletzen.

Wirst Du in 25 Jahren immer noch hier anzutreffen sein? 

Kane: Ich hoffe nicht, aber ich befürchte ja.

25 Jahre Joe's Garage in Kassel

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