Volksbund Kriegsgräberfürsorge hat Computerlernprogramm entwickelt

Lernort Kasseler Friedhof: Mit dem Tablet auf den Spuren der NS-Zeit

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Lernort Friedhof: Nils Winterstein (von links) Christian Dippel, Linea Pietzsch, Sarah Thann und Carla Rieser sind mit Tablet-Computern unterwegs. Rechts steht Arne Jost vom VdK. 

Kassel. Zwischen der Gedenktafel für die Opfer der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 und den Gräbern der ausländischen Kriegstoten sind nur wenige Meter. Beide Orte auf dem Hauptfriedhof erzählen Kasseler Geschichte. Der haben sich jetzt Schüler der Offenen Schule Waldau angenähert.

Die Zehntklässler waren mit Tablet-Computern unterwegs und haben Aufgaben gelöst. Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge hat das Programm entwickelt. Die Grundidee: Den Friedhof als spannenden Lernort für die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg nutzen. Das könnte demnächst im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen. „Wir freuen uns über jede Klasse, die sich bei uns meldet und das Programm ausprobieren will“, sagt der VdK-Regionalbeauftragte Arne Jost.

Keine leichten Aufgaben

Bei der Premiere auf dem Hauptfriedhof hatten die Schüler den Bogen schnell raus. Sie laden eine App herunter, bekommen dann Aufgaben, müssen Fragen beantworten, machen Fotos und drehen ein kurzes Video. „Die Aufgaben sind nicht leicht, aber es macht wirklich Spaß“, sagt Sarah Thamm (15). In der Schule geht es um das Thema Nationalsozialismus. Da passt die Einheit auf dem Hauptfriedhof gut in den Lehrplan.

Viele der Schüler waren vorher noch nie auf Kassels größtem Friedhof und sind beeindruckt vom parkähnlichen Charakter. An mehreren Stellen hat der VdK Informationstafeln aufgestellt. Wer die findet, bekommt wichtige Hinweise für die Beantwortung der Fragen. „Es wäre schön, wenn wir auch im normalen Unterricht häufiger mit dem Computer arbeiten würden“, sagt Christian Dippel (16). Er ist mit den anderen Zehntklässlern in Kleingruppen von Station zu Station unterwegs.

Auf dem Gräberfeld für die Bombenopfer geht es exemplarisch für viele andere um das Schicksal von Hiltrud Koch, die hochschwanger mit 22 Jahren im Feuersturm der Bombennacht ums Leben kam.

Von ihr gibt es ebenso ein Foto und eine kurze Biografie wie von Gottlieb Kubik, der als politischer Häftling in Wehlheiden bei einem Bombenangriff am 22. Sepember 1944 starb. Der Tscheche liegt auf dem Gräberfeld der ausländischen Kriegstoten. Von denen waren die meisten Zwangsarbeiter, die unter anderem bei Henschel und Fieseler im Einsatz waren.

Kontakt: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Kassel, Werner-Hilpert-Str. 4, Tel. (0561) 70 09 10 3. E-Mail: kreisverband.kassel@volksbund.de

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