Letzte Saison? Zukunft der Schleuse weiter ungewiss

Frisch gereinigt in die vermutlich letzte Saison: Matthias Hiemann, Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, reinigt die Wände der 1913 erbauten Kasseler Stadtschleuse, die am 1. April wieder in Betrieb geht. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wenn die Stadtschleuse am 1. April, wieder in Betrieb geht, könnte es ihre letzte Saison sein. Laut einem Gutachten ist ein sicherer Betrieb danach nicht  gewährleistet.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Hann. Münden hatte immer wieder auf ein Gutachten verwiesen, nach dem ab Ende 2016 ein sicherer Schleusenbetrieb nicht mehr gewährleistet werden könnte. Wie es danach weitergeht, ist immer noch ungewiss.

Seit Jahren bangen Wassersportler und Ausflugsschifffahrt um die Zukunft der Stadtschleuse. Denn der Bund hatte signalisiert, dass er die Stadtschleuse nicht mehr erhalten und betreiben will, die einstigen Bundeswasserstraßen Untere Fulda und auch die Oberweser wurden zu „sonstigen Wasserstraßen“ herabgestuft.

Lexikonwissen: Die Kasseler Schleuse im HNA-Regiowiki

Nach Ansicht der Stadt ist der Bund hier aber in der Pflicht, da die Stadt per Vertrag aus dem Jahr 1952 die Schleuse dem Bund überschrieben hatte - mit der Maßgabe, die Schifffahrtsschleuse zu unterhalten, auf Dauer zu erhalten und ihren Betrieb sicherzustellen. Diese Streitfrage sollen jetzt Juristen klären. Derzeit laufe die Auftragsvergabe für ein Rechtsgutachten, erklärte die Stadt dazu auf Anfrage.

„Wir hängen total in der Luft“, beklagt die Chefin der Fahrgastschifffahrt Söllner, Karola Söllner. So habe sie bislang keinerlei schriftliche Informationen erhalten. Dass die Schleuse in einem schlechten Zustand sein soll, kann sie ohnehin nicht nachvollziehen.

Aufgeben will die Chefin des Familienbertriebs, der im nächsten Jahr 50. Jubiläum feiern wird, jedenfalls nicht. Jetzt startet sie mit dem Fahrgastschiff „Hessen“ erst einmal wieder in die Saison, und ab 1. Mai geht es fahrplanmäßig auch wieder auf zweieinhalbstündige Fahrt ins Fuldatal. Sollte die Schleuse, eventuell auch vorübergehend ab Ende dieses Jahres geschlossen sein, will sie wenigstens im Stadtgebiet weiter Touren auf der Fulda anbieten.

Unterdessen hoffen auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) und Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die sich auch gemeinsam für die Stadtschleuse starkmachen, auf eine Lösung. Der Einbau einer neuen, kleineren Schleuse, die rund sechs Millionen Euro kosten würde, war dabei immer wieder im Gespräch. Selbst wenn der Bund, wie bereits verlautet, rund drei Millionen Euro beisteuern würde, müssten noch einmal mindestens drei Millionen Euro und die jährlichen Betriebskosten aufgebracht werden. Ein finanzielles Engagement hatte Hilgen aber bisher abgelehnt, weil der Unterhalt der Schleuse Sache des Bundes sei. Jetzt sind also die Juristen gefragt. Und die Zeit ist denkbar knapp.

Betriebszeiten der Stadtschleuse 

Die Kasseler Schleuse nimmt am Freitag, 1. April, wieder ihren Saisonbetrieb auf. Danach ist sie bis zum 31. Oktober montags von 9 bis 17 Uhr, von Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr sowie freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Archivvideo: So funktioniert die Schleuse

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