Schluss zum Jahresende

Fischer und Görtz: Zwei Läden schließen in der Kasseler Wilhelmsstraße

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Geschäft lohnt sich nicht mehr: Die Firma Fischer Bürotechnik hat den Mietvertrag für ihren Innenstadtladen, der seit 1972 bestand, nicht mehr verlängert.

Kassel. An der Wilhelmsstraße schließen zum Jahresende zwei alteingesessene Geschäfte für immer: Im Schreibwarengeschäft Fischer und direkt gegenüber im Outlet der Schuhhandelskette Görtz werden Regale und Räumlichkeiten derzeit mit stark ermäßigten Preisen geleert.

Es dürfte eine Weile dauern, bis sich die Schaufensterlücken auf diesem Abschnitt der Einkaufsmeile wieder gefüllt haben.

Die Firma Fischer Bürotechnik gibt laut Geschäftsführer Reinhard Gröll ihren Innenstadtladen auf, weil sich das Geschäft mit Papierwaren, Bastel-, Mal- und Zeichenbedarf nicht mehr lohne. Äußerer Anlass sei das Auslaufen des langfristigen Mietvertrages gewesen. Aber ebenso gebe es wirtschaftliche Gründe, sagte Gröll: „Wenn man so ein Geschäft weiterbetreiben wollte, dann müsste man langfristig investieren.“

Auch das Görtz-Outlet macht zu: Das Haus wurde inzwischen an die Kasseler Unternehmensgruppe Freiherren Waitz verkauft und soll umgebaut werden. Fotos:  Malmus

Da es jedoch üblich geworden sei, den Schreiblernfüller für den Schulstart beim Discounter zu kaufen oder sich Briefpapier daheim selbst auszudrucken, hätte sich ein weiteres langjähriges Mietverhältnisnicht mehr gerechnet. Allein von Beratung könne kein Innenstadtgeschäft über die Runden kommen, wenn die Umsätze nicht stimmten, sagte Gröll. Allerdings biete Fischer Bürotechnik am Hauptsitz in Waldau auch künftig ein umfangreiches Sortiment rund um Büromaterial und -einrichtung an: „Wir werden uns stärker unserem Kerngeschäft widmen.“

Die Geschichte des Schreibwarenladens an der Wilhelmsstraße 6 reicht bis ins Jahr 1949 zurück. In den Nachkriegs-Neubau zog als erster Mieter die Firma Georg Schröder ein, die am Druselplatz bereits seit 1900 eine Fachhandlung für Bürobedarf, Schreibwaren und Zeichentechnik betrieben hatte. Ende 1972 wurde das Geschäft dann von der Firma Fischer Bürotechnik übernommen.

Seit einigen Jahrzehnten an der Wilhelmsstraße ansässig war auch die Schuhhandelskette Görtz, die zuletzt durch einen harten Sanierungskurs gegangen war. Bereits 2009 lief der Ausverkauf im Schuhgeschäft Wilhelmsstraße 21, dann aber wandelte Görtz den Laden in ein Outlet für die eigenen Produkte des Hamburger Unternehmens um. Görtz ist in Kassel außerdem noch vertreten mit Filialen im Einkaufszentrum Dez sowie in der Königs-Galerie (Görtz 17).

Den Mietvertrag für das Outlet an der Wilhelmsstraße hat Görtz nun zum Jahresende gekündigt. Die geräumige, tiefe Schaufensterfront wurde schon seit längerem nicht mehr genutzt, sie war zuletzt nahezu vollständig abgeklebt.

Vor einigen Monaten hat parallel zur Rückzugsentscheidung von Görtz auch das zweigeschossige Gebäude den Eigentümer gewechselt: Es gehört nun zum Bestand der Kasseler Unternehmensgruppe Freiherren Waitz, die rund um die Neue Fahrt mehrere Immobilien besitzt. Nach Angaben einer Firmenmitarbeiterin sind die Planungen für das Grundstück Wilhelmsstraße 21 derzeit noch in der Anfangsphase. Die Tendenz gehe dahin, das bisherige Görtz-Domizil grundlegend umzubauen und dann neu zu vermieten.

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