Julia P. ist kein Einzelschicksal

Mahnwache gedachte der getöteten Mutter aus Oberzwehren

Mahnwache: Freundinnen und Mitarbeiterinnen des Frauenhauses nahmen auf dem Königsplatz Abschied von Julia P. Foto: Fischer

Kassel. Wut und Trauer herrschten am Donnerstagnachmittag auf dem Königsplatz vor.

„Julia hat gekämpft, sie hat nicht aufgegeben und doch verloren. Wir alle müssen für sie weiterkämpfen, damit Frauen eigenständig, selbstbestimmt und ohne Gewalt leben können“, sagte Diana Frisch. Mit diesem Appell der Frauenhaus-Mitarbeiterin haben etwa 50 Freundinnen und Beschäftigte des Kasseler Frauenhauses Abschied von Julia P. genommen. Die 32-Jährige, die am Montag in ihrer Wohnung in Oberzwehren erstochen worden war, hatte Mitte vergangenen Jahres Zuflucht in der Einrichtung gesucht (siehe Bericht unten). Ihr dringend tatverdächtiger Ehemann befindet sich in Untersuchungshaft.

Der 15 Monate alte Sohn sei Zeuge der schrecklichen Tat geworden, betonte Diana Frisch. „Dieses Verbrechen wird auch sein junges Leben nachhaltig verändern.“ Mit Musik, Kerzen und Blumen verabschiedeten sich Freundinnen und Passanten von der getöteten Ehefrau und Mutter.

„Gemeinsam müssen wir diese Trauer und diese Ohnmacht in Wut, Empörung und Entschlossenheit umwandeln, damit solche Taten in Zukunft nicht mehr stattfinden können“, forderte Eva Hack. Der „Mord“ an Julia P. sei kein Einzelschicksal, betonte die Frauenhaus-Mitarbeiterin. Allein in Deutschland werden nach ihren Angaben pro Jahr rund 300 „so furchtbare und sinnlose Morde“ gezählt. Bei fast der Hälfte der getöteten Frauen sei der Partner, der Freund oder der Ex-Mann der Täter gewesen. Die Zeit nach einer Trennung gelte als die gefährlichste Zeit im Leben einer Frau, so Hack. Statistisch sei in dieser Zeit die Wahrscheinlichkeit am größten, Opfer einer Gewalttat zu werden.

Die Frauenhaus-Mitarbeiterin wies in diesem Zusammenhang auf die Probleme durch das aktuelle Sorge- und Umgangsrecht hin (Hintergrund). Auch im Fall von Julia P. habe die Rechtslage dazu gezwungen, dass die 32-Jährige wegen des gemeinsamen Sohnes immer wieder in Kontakt mit ihrem Ehemann stehen musste.

„Wir als ihre Unterstützerinnen und Freundinnen konnten die Ermordung von Julia nicht verhindern“, sagte Eva Hack. Es müsse alles dafür getan werden, um Frauen und Kinder vor solchen Übergriffen zu schützen.

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