Für bis zu 100 Menschen

Wie aus einem Steakhaus ein Notquartier für Flüchtlinge wird

Flüchtlinge als Untermieter: Im Ratskeller wird eine provisorische Unterkunft für Asylbewerber eingerichtet.

Kassel. „Hüftsteak mit knusprigen Spareribs: 6,90 Euro“ steht noch auf einer Tafel. Die Raumteiler zwischen den Sitzecken zieren Kühe, Cowboys und Kakteen.

Im ehemaligen Restaurant „Maredo“ im Ratskeller sieht es noch so aus, als könnte gleich das nächste Steak serviert werden. Doch seit Ende Mai stehen die Räume im Untergeschoss des Rathauses leer. Die Stadt als Eigentümerin und die Maredo-Holding hatten sich nicht auf einen neuen Pachtvertrag einigen können. Das Steakhaus machte nach zehn Jahren Schluss. Eine neue gastronomische Nutzung ergab sich nicht.

Jetzt wird die Restaurant-Einrichtung endgültig weichen: In den insgesamt 550 Quadratmeter großen Räumen wird eine provisorische Flüchtlingsunterkunft eingerichtet. Bis zu 100 Menschen sollen in dem Notquartier untergebracht werden, falls in den regulären Flüchtlingsheimen der Stadt alle Plätze voll sind.

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„Wir zeigen damit zugleich, dass die Stadt und ihre Mitarbeiter bereit sind, auch eigene Räumlichkeiten für Flüchtlinge bereitzustellen“, sagte Sozialdezernent Christian Geselle (SPD) gestern bei einem Pressegespräch. Kassel ist die erste Großstadt in Hessen, die in ihrem Rathaus Platz für Flüchtlinge schafft. Die rund 800 Beschäftigten im Rathaus wurden vergangene Woche in einem Schreiben über das Vorhaben informiert.

Die Bauarbeiten haben gestern begonnen. Ein bisher bestehender Durchgang zu den Rathausfluren wird verschlossen, um Flüchtlingsquartier und Verwaltung voneinander zu trennen. Eine Küche und Toiletten sind vorhanden. In einem ehemaligen Umkleideraum sollen acht Duschkabinen eingebaut werden.

Wie im Reno-Schuhmarkt an der Leipziger Straße, der Ende November ebenfalls als provisorische Flüchtlingsunterkunft hergerichtet wurde, wird die Feuerwehr Kabinen aus Spanplatten in die ehemaligen Speiseräume im Ratskeller einbauen. Im Seitenbereich, wo durch die Fenster neben der Rathaustreppen Tageslicht einfällt, soll ein Aufenthaltsraum eingerichtet werden.

Ob und wann die beiden Notquartiere in Bettenhausen und im Rathaus belegt werden müssen, ist noch offen. Zuletzt hatte die Stadt etwa 70 Flüchtlinge pro Woche unterzubringen. Für das erste Quartal des neuen Jahres habe das Land noch keine Zuweisungszahl genannt, sagte Geselle. Wenn die wöchentlichen Zuweisungen noch höher ausfallen als bisher, könnte es zwischenzeitlich zu Engpässen kommen, bis geplante neue Unterkünfte in Betrieb gehen. „Deshalb wollen wir einen weiteren Puffer einbauen“, so Geselle.

Aktuell leben 1950 Asylbewerber in städtischer Unterbringung – die meisten in Gemeinschaftsunterkünften, etwa 440 in Wohnungen. Zudem gibt es vier Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes im Stadtgebiet.

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