10 Jahre in Nordhessen

Medikum Kassel: Nach schwerem Beginn nun Anlaufstelle für Tausende

Das Verwaltungsteam: Daniela Träbing und Claus Eßmann. Foto: Konrad

Kassel. Die Anfänge waren alles andere als einfach: Vorbehalte und Ängste vieler niedergelassener Ärzte, Boykottaufrufe der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Konkurrenz durch Gesundheits-Konzerne.

Inzwischen ist das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Medikum nach seiner Gründung vor zehn Jahren in Nordhessen etabliert. 18 Ärzte sind an den Standorten in Kassel und Baunatal angestellt, 46 medizinische Fachangestellte und neun Auszubildende. 55 000 bis 60 000 Patienten versorgen die Ärzte jedes Jahr, dreimal kommen sie durchschnittlich ins Medikum. 

Das sind rund 180 000 Arzt-Patienten-Kontakte pro Jahr. Mit dem Konzept, Ärzte in einem MVZ anzustellen und unterschiedliche Fachbereiche unter einem Dach zu vereinen, hat das Medikum in Nordhessen eine Vorreiterrolle gespielt, genau genommen sogar bundesweit. Nach dem Gesundheitszentrum Polikum in Berlin war das Medikum laut Verwaltungschef Claus Eßmann das zweite in Deutschland. Als Vorbild dienten die Polikliniken.

Die Besonderheit: „Das Medikum ist ein rein von Ärzten gegründetes und geführtes Medizinisches Versorgungszentrum“, sagt der Kasseler HNO-Arzt Lutz-Michael Schäfer, der zusammen mit dem Kardiologen Dr. Andreas Utech geschäftsführender Gesellschafter ist. Ärzte aus zehn Fachbereichen, von der Allgemeinmedizin bis zur Orthopädie, arbeiten unter einem Dach. Der Vorteil für die Patienten: Kurze Wege. 

Ist eine Überweisung an einen anderen Arzt notwendig, ist das laut Daniela Träbing, stellvertretende Verwaltungsleiterin, oft innerhalb eines Tages möglich. Das ist bei 15 bis 20 Prozent der Patientenbesuche beim Arzt der Fall. „In Kürze wird eine Fall-Managerin diesen weiteren Ablauf für die Patienten im Haus organisieren“, sagt Träbing. Es gebe außerdem nur eine Patientenakte, die mit Einverständnis des Patienten ganz oder in Teilen von allen Ärzten im Medikum bei Bedarf elektronisch eingesehen werden könne. So müssen Unterlagen nicht extra angefordert werden. Außerdem arbeitet das Medikum mit der Radiologischen Praxis im Haus zusammen. Die entsprechenden Bilder landen direkt auf dem Bildschirm des behandelnden Arztes.

Auch für die Ärzte hat das MVZ-Modell Vorteile: Durch das Angestelltenverhältnis und Gemeinschaftspraxen werden beispielsweise Urlaubs- und Schwangerschaftsvertretungen erleichtert, und Teilzeitarbeit ist möglich. Mehr als die Hälfte der Medizin-Studierenden heutzutage sind Frauen. Eine gesunde Balance zwischen Beruf und Familie werde für viele, vor allem junge Ärzte immer wichtiger, sagt Schäfer. Vielen sei auch das Risiko einer Praxisübernahme zu groß. Hinter der Idee des MVZ vor gut zehn Jahren steckt auch die Sicherung der ambulanten ärztlichen Versorgung in einer Zeit zunehmender Praxisaufgaben.

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