Nach Putschversuch: Kasseler Türken setzen Zeichen für Demokratie

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Der gescheiterte Militärputsch in der Türkei ist Gesprächsthema im SV Türkgücü.

Kassel. 200 bis 300 Menschen hatten sich in der Nacht von Freitag auf Samstag spontan und friedlich am Stern in Kassel zusammengefunden, um auf die Situation in der Türkei aufmerksam zu machen.

Um 18 Uhr fand am Samstag eine Kundgebung auf dem Königsplatz statt, die sich ebenfalls gegen den Putsch in der Türkei richtete. Laut Polizei nahmen etwa 400 Menschen an der Veranstaltung teil. Zu dieser hatten offenbar auch die Imame in den Moscheen aufgerufen.

„Die Menschen in der Türkei und auch hier wollen die Demokratie behalten und keinen Putsch“, betont Adem Güney, der in Kassel ein gleichnamiges Reisebüro besitzt.

Die ganze Nacht habe er kein Auge zugetan - aus Sorge um sein Heimatland und die Menschen dort, sagt Güney. Dass auch hierzulande und sogar in Kleinstädten die Menschen noch in der Nacht auf die Straße gegangen sind, um ihre Betroffenheit über die plötzliche Krise in der Türkei Ausdruck zu verleihen, freut ihn. „Wir hoffen das Beste für unseren Staat und die ganze Welt“, sagt er. Wenn man eine Regierung abschaffen wolle, dann nur mit Wahlen, betont er.

Aktualisiert um 21.10 Uhr.

Kamil Saygin, Vorsitzender des Kasseler Ausländerbeirats war am Freitagabend im türkischen Sportverein Türkgücü, als die Nachrichten über den Putschversuch in der Türkei im Fernsehen kamen. „Wir waren alle sehr betroffen“, schildert er. Denn ein Militärputsch würde das Land um Jahrzehnte zurückwerfen. Über das Scheitern des Putschversuchs ist auch Saygin erleichtert. Wenn es Unzufriedenheit gebe, müsse dies über Wahlen gelöst werden, betont er. Und sicher werde jetzt in der Türkei ein Nachdenken darüber einsetzen, warum das passiert ist. Es sei sehr mutig von den Menschen in der Türkei gewesen, auf die Straße zu gehen und sich den Panzern entgegen zu stellen, was leider viele mit dem Leben bezahlt haben. Saygin hofft, dass sich auch die Türken in Deutschland und Hessen nicht spalten, sondern gemeinsam für die Demokratie und eine Zivilregierung in der Türkei einsetzen.

„Man muss nun erst einmal abwarten, wie sich die Situation entwickelt,“ sagt Saygin. Er glaube aber, dass sich die Lage schnell wieder normalisiert.

Da ist auch Güney zuversichtlich. So geht er davon aus, dass die türkischen Fluggesellschaften den Flugverkehr zeitnah wieder aufnehmen und der entstandene Stau auf den Flughäfen nach ein bis zwei Tagen wieder abgebaut. sei.

Viele türkische Familien, die bereits am Freitag vergeblich versuchten, mit dem Flugzeug in die Türkei zu reisen, werden sich dann schnell wieder auf den Weg machen, um in den Ferien ihre Familien zu besuchen, ist Erol Yazar, stellvertretender Vorsitzender des SV Türkgücü, sicher: "Wir hoffen, dass das Problem schnell gelöst wird und sich auch der Tourismus in der Türkei wieder erholt." Dazu sei es aber nötig, dass beim internationalen Kampf gegen den Terrorismus alle an einem Strang ziehen.

In Kassel leben rund 14000 Menschen mit türkischen Wurzeln, davon sind rund 8500 türkische Staatsbürger.

Demo auf Kasseler Königsplatz gegen Putsch in der Türkei

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