Verbindungen im Drogenmilieu

Prozess um lebensgefährliche Schüsse am Stern: Täter und Opfer kannten sich 

Der Tatort: Vor der inzwischen geschlossenen Bäckerei von Antonio Basak wurde im November einem 25-Jährigen aus Algerien ins Bein geschossen. Zuvor hatte sich das Opfer mit einem der Stühle gewehrt. Archivfoto: Fischer

Kassel. Der 26-jährige Algerier ist überzeugt: Der Mann auf der Anklagebank wollte ihn umbringen. Es geht um Vorkommnisse am Stern, die Folgen hatten.

Auch Staatsanwältin Fischer spricht von einem „potenziell lebensgefährlichen“ Angriff am Kasseler Stern, denn der Schuss in den Oberschenkel des Algeriers im November 2015 hätte die Hauptschlagader treffen und zum Tod des Angeschossenen führen können. Deshalb ist der ebenfalls 26-jährige Schütze seit Dienstag vor dem Amtsgericht Kassel der gefährlichen Körperverletzung angeklagt.

Aber nicht nur das. Denn auch einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vermutet die Staatsanwaltschaft hinter den Machenschaften des mutmaßlichen Drogenhändlers. Der schlanke, muskulöse, gepflegt wirkende Mann auf der Anklagebank wurde Mitte Januar festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Am ersten von vier angesetzten Verhandlungstagen äußerte er sich nur zu seinen persönlichen Verhältnissen. Was an jenem Freitagmittag auf offener Straße am Stern geschah, dazu werde sich sein Mandant „zu einem späteren Zeitpunkt selbst erklären“, sagte Strafverteidiger Leis.

2008 war der in Libyen geborene Angeklagte nach Deutschland gekommen. Nach drei Jahren in Kassel sei er nach Bremen umgezogen, um dort eine Ausbildung zum Koch zu beginnen, habe diese aber abgebrochen und sei 2011 wieder zurückgekehrt nach Kassel, berichtete der Angeklagte in gutem Deutsch. Jetzt hat er seinen ersten Wohnsitz in Zwickau.

Dennoch war er dem Opfer, einem arbeitssuchenden Schweißer, der nach eigenen Angaben seit Jahren kokainsüchtig ist, von Treffen am Stern in Kassel wohlbekannt. „Er hatte immer Angst vor ihm“, übersetzte eine Dolmetscherin die Aussage des Algeriers über den Angeklagten und fügte hinzu: „Er hat gesagt, dass der täglich mit der Waffe rumlaufen würde.“

So muss es nach Darstellung des Opfers auch an jenem Mittag im November 2015 gewesen sein. Denn die beiden Nordafrikaner seien sich nur zufällig begegnet. Der Libyer sie ihm von der Spielothek am Stern entgegengekommen, habe sofort die Pistole aus der Hose gezogen, durchgeladen und auf seinen Oberkörper gezielt. Der erste Schuss sei nur deshalb daneben gegangen, weil er geistesgegenwärtig einen Stuhl aus der Außengastronomie einer Bäckerei ergriffen und sich damit zur Wehr gesetzt habe.

Der zweite Schuss traf den Oberschenkel, beim dritten Durchladen habe die Pistole blockiert. Warum der Angeklagte sich „im wahrsten Sinne des Wortes eingeschossen“ habe auf ihn, wollte die Richterin vom Opfer wissen. Antwort: „Er sollte für ihn Drogen verkaufen und er wollte das nicht.“ Nur für seinen eigenen Bedarf habe er an diesem Tag am Stern „einkaufen“ wollen. Vier Plomben Kokain waren bei dem Angeschossenen gefunden worden

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