Schüsse am Stern: Zeugin belastete mutmaßlichen Schützen schwer

Kassel. Der Prozess um die Schüsse am Stern geht weiter. Der Befangenheitsantrag des Angeklagten wurde abgelehnt. Stattdessen nahm der Prozess eine unerwartete Wende.

Der 26-jährige Libyer, der auch am sechsten Verhandlungstag keine Angaben machte, muss sich weiterhin wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung verantworten.

Im November 2015 war an einem Freitagmittag auf der Unteren Königsstraße ein ebenfalls 26-jähriger Algerier durch einen Schuss ins Bein verletzt worden. Ein weiterer Schuss verfehlte das Opfer, traf glücklicherweise auch keinen anderen Passanten in der belebten Fußgängerzone.

Der Lauf der Pistole habe direkt in ihre Richtung gezeigt, berichtete eine 38-jährige Zeugin, die durch den ersten Schuss auf zwei streitende Männer aufmerksam geworden war. Der eine habe „etwas Dunkles“ in der Hand gehabt, wie sich später herausstellte eine Pistole. Der andere habe ihn bedrängt. Zwischen den Männern habe ein ständiges „Hin und Her“ geherrscht. Dann sei ein zweiter Schuss gefallen. „Der, der geschossen hat, ist weggerannt.“

Erst Wochen später wurde der jetzt angeklagte Mann aufgrund eines Facebook-Fotos und der Aussage des Opfers von der Polizei festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Bislang hat ihn keiner der Zeugen eindeutig als Täter identifiziert. Umso bedeutender ist die Aussage einer früheren Bekannten.

Mit leiser Stimme, aber wohl gewählten Worten berichtete die 39-jährige Sozialpädagogin, dass der Mann auf der Anklagebank sie im November 2015 per Handy angerufen und ihr von diesem Vorfall erzählt habe: „Ihn hätten Leute verfolgt, zum Schluss wäre einer übriggeblieben, auf den hätte er dann geschossen, aber extra ins Bein.“ Sie habe dem Angeklagten damals geraten, sich der Polizei zu stellen - und dann nichts mehr von ihm gehört.

Von Drogengeschäften, die die Staatsanwaltschaft als Hintergrund der Schüsse vermutet, wisse sie nichts, sagte die Freundin eines ehemaligen WG-Mitbewohners des Angeklagten. Weil eben dieser Mann an einem vorhergehenden Verhandlungstag aus Angst in Anwesenheit des Angeklagten nicht aussagen wollte, hatte das Gericht diesen zeitweise ausgeschlossen. Das hatte den Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin Sabrina Müller-Krohe und die Schöffen zur Folge.

Diesen Antrag wies Richter Dr. Philipp Kleinherne mit der Begründung zurück, dass es keinen Grund gebe, an der Unparteilichkeit des Gerichts zu zweifeln. Dass das Gericht von einer möglichen Gewaltbereitschaft des Angeklagten ausgehe, sei keine Vorverurteilung, sondern bei diesem Verfahren im Bereich des Möglichen.

Fortsetzung: Mittwoch, 7. September, 10 Uhr

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Rubriklistenbild: © dpa

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